Ina Müller - Die Schallplatte: Nied Opleggt - Cover
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Ina Müller Die Schallplatte: Nied Opleggt


  • Label: 105 Music/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der raue Charme der norddeutschen Tiefebene.

Im Jahr 2004 veröffentlichte Ina Müller über den Hamburger Quickborn-Verlag ihr erstes Soloalbum „Die Schallplatte“ – ein Live-Mitschnitt der „Platt is nich uncool“-Tour, auf dem sich herrliche plattdeutsche Anekdoten in Wort und Gesang befanden. Das Gerüst der plattdeutschen Lieder bestand aus Coverversionen großartiger Blues- und Popsongs u.a. von Sting, Linda Perry, R. Kelly und Bob Dylan, die von Olaf Casimir am Kontrabass und Hardy Kayser an der Gitarre begleitet wurden. Da dieses Werk inzwischen als vergriffen gilt, erzielt es auf eBay und Co. inzwischen stattliche Preise, denn Ina Müller zählt mittlerweile zu den beliebtesten deutschen Fernsehgesichtern.

Ihre Alben „Weiblich, ledig, 40“ (2006) und „Liebe macht taub“ (2008) knackten die deutschen Charts mit Leichtigkeit und in ihrer ebenso simplen wie genialen Late-Night-Show „Inas Nacht“ kultiviert die 44-Jährige neben frech-charmanten Plaudereien das Live-Musizieren nebst der Förderung junger deutscher Talente wie Martin Kilger, Ron Diva oder Christian Venus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Da die Songs der vergriffenen „Schallplatte“ stets zu den Höhepunkten von Ina Müllers Konzerten gehören, erscheint jetzt eine neu eingespielte Version der „Schallplatte“, die den echten Fan allerdings nicht aus der Sammler-Verantwortung nimmt, sich auch das Originalalbum zuzulegen, da es bei weitem nicht alle 17 Titel des 2004er Werks auf die 2009er Version geschafft haben. Diese wurde auf ein Dutzend Songs eingedampft, wovon drei eigens für den Re-Release der „Schallplatte“ von Andreas Dopp und Ina Müller neu komponiert wurden.

Der ursprüngliche Opener „De Wind vun Hamborg“ rückt nach hinten, dafür steht das sehnsüchtige Liebeslied „De Klock is dree“ (eine von drei Neukompositionen), nun am Anfang und macht seine Sache bravourös. Norddeutsches Flair in der Sprache, erdige Akustikinstrumentierung und eine angenehm „warme“ Aufnahmetechnik lassen „Die Schallplatte“ auch als Studioalbum zu einem besonderem Erlebnis heranreifen. Dabei basiert z.B. der locker-flockige „Dörp Reggae“ auf Fool's Garden One-Hit-Wonder „Lemmon tree“, „Lockiget Hoor“ ist mal eine ganz andere Sichtweise von „Knocking on heavens door“ und „Ganz alleen“ macht Seals Superballade „Love’s divine“ alle Ehre.

Mit „Buten Kluten“ wird ein weiteres One-Hit-Wonder bedacht. Der Song schnappt sich die Melodie von „What’s up“ der 4 Non Blondes und berichtet von einer heftig durchzechten Nacht mit anschließendem Kater und Brand. R. Kellys „I can believe I can fly“ wird zur Tourismus- und Landlebenhymne „Dat weer Mai“ und Stings von Natur aus schon wunderschönes „Fields of gold“ rührt auch als „Veel to olt“ zu Tränen.

Mit der abschließenden „Autumn leaves“-Interpretation entlässt Ina Müller den Hörer in sentimentaler Stimmung und mit einem herbstlich-schönen Album, das den rauen Charme der norddeutschen Tiefebene atmet und auf unnachahmliche Weise den Humor und die Romantik des Küstenvolks vermittelt.

Anspieltipps:

  • Veel to olt
  • Lockiget Hoor
  • Nees in ’n Wind
  • De Klock is dree
  • Ganz alleen (blots de nacht)

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