The Cedar - I´m Always Explaining To Mom How It Is Different Here - Cover
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The Cedar I´m Always Explaining To Mom How It Is Different Here


  • Label: Dandyland/CARGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Kleine Englischeinführung für alle. Was Gitarre, Bass und Co. in dieser nicht mehr ganz so fremden Fremdsprache bedeuten weiß man ja, aber was heißt denn bitte Glockenspiel auf Englisch? Ganz recht: Glockenspiel. Warum das überhaupt wichtig ist? Oder zumindest nicht völlig schwachsinnig? The Cedar aus dem schönen United Kingdom denken sich in einer Zeit, in welcher der Klang immer mehr nur noch aus einem einzigen Rechner kommt, wie toll es doch wäre, wenn man so viel Instrumente wie möglich für die eigene Musik benutzt. Konjunktiv streichen, denn The Cedar taten das auch einfach und geistern bereits seit 2007 über die Insel. In Glastonbury ein gern gesehener Gast und von Kritikern aller Art bereits mit Lob überschüttet. Dieser Pop, der sich vor überbordender Klangkulisse kaum noch retten kann und so unkonventionell erscheint, dass er schon wieder konventionell ist.

Um das Indie-Folk Image zu errichten, braucht es aber schon mehr als nur den Albumtitel mit Überlänge. Das wissen The Cedar natürlich und so erstreckt sich das Instrumentalangebot von Gitarren über besagtes Glockenspiel, Banjos, Harfenzithern, Kalimbas, Blasinstrumente aller Art, Percussions, ein paar Celli und wie sich das gehört noch Rasseln, Geklatsche und Schraubenzieher. Dazu gesellen sich die sanften Stimmen Neils und Bens, die das Bild des perfekten Indie-Ausflugs perfekt machen. Das ganze Konstrukt sei noch durch einen klaren Abstecher zum Pop finanziell abgesichert und fertig ist eine der liebreizendsten Folk-Pop-Combos der letzten Jahre. Wer noch jammert und nicht Glauben schenken will, der soll erfahren und wissen, wenn Akkordeon und Streicher sich schon mal warm machen.

Der Opener macht schon mal einen guten Eindruck und zeigt, welche Sorte von Musik The Cedar zu bieten haben. Dieser Indie-Pop ist es, der sich gewaltlos in den Ohren von Millionen von Soap-Opera-Zuschauern einnistet. Das soll nichts Schlechtes heißen, denn dieser Vergleich kommt nur Zustande, weil schon Bands wie Death Cab For A Cutie und viele weitere aus der ruhigen Pop-Ecke so an das große Publikum geraten sind. The Cedar musste bisher auf diese Art von Publicity verzichten, aber das schmälert ja die Klasse ihrer Musik nicht und ist „Folded“ nur eine seichte Einführung, bieten „Sorely Missed“ und „Room To Beat“ so ziemlich alles, was guter Indie-Pop brauch. Da wird zu aufgewecktem Piano in schnellem Rhythmus geträumt oder die schwelgerische Strophe von einem Chorus voller Claps und Backing Vocals à la Arcade Fire abgelöst und aufgewertet.

Im Anschluss tun sich besonders die Streicher hervor und ersetzen spätestens in „All Your Stories“ mehr als gut die Gitarren, die mancher Rockjünger vielleicht vermisst. Natürlich ist die Musik der Cedars im Grunde nichts weiter als umfunktionierte Popmusik, die sich differenzierter Instrumentalisierung, sowie vielen Folk-Elementen erfreut. Es entsteht allerdings ein Klangmix, der es von Lied zu Lied wieder schafft, zu gefallen. Ohne Ausnahme. Das Einzige, was der Band noch nicht vollends gelingt, ist, dass die Lieder sich so in die Ohren graben, dass man das Bedürfnis verspürt, sie immer wieder zu hören. Legt man die Scheibe dann aber doch mal ein, will man sie auch nicht mehr ausmachen. Alles in Allem ist „I’m Always Explaining To Mom How It’s Different Here” eine mehr als nur gelungene Platte und lässt hoffen, dass es mit dieser Band jetzt erst richtig losgeht.

Anspieltipps:

  • Sorely Missed
  • Room To Beat
  • All Your Stories

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