John Mayer - Battle Studies - Cover
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John Mayer Battle Studies


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Battle Studies“ ist ein gut abgehangenes Werk, das kaum Schwächen aufweist.

John Mayer (32) als Wunderkind zu bezeichnen, ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Doch wer sich wie der amerikanische Songschreiber in den verschiedensten musikalischen Stilarten so traumwandlerisch sicher bewegt, ohne dass es aufgesetzt oder bemüht klingt, sticht aus der breiten Masse einfach positiv heraus. Auf seinen bisherigen Studio- und Live-Alben verband der 32-Jährige fließend Jazz, Blues, Rock, Soul und Pop – und in Richtung HipHop hat Mayer seine Fühler auch schon ausgestreckt.

Man darf also gespannt sein, was der siebenmalige Grammy-Gewinner als nächstes auf die Beine stellt. Vorher gilt es sich aber mit dem fünften Studioalbum „Battle Studies“ zu befassen, das sich als erwachsenes Popalbum präsentiert, ohne hier und da auf die bekannten Genre übergreifenden Stilmittel zu verzichten. Dieser werden allerdings nur bedingt eingesetzt. Denn fast scheint es so, als wollte Jahn Mayer seinem Label nach dem gefeierten „Continuum“ (09/2006), das stark im Rhythm and Blues verwurzelt war, ein zugänglicheres Werk abliefern.

Dazu passt dann auch die Zusammenarbeit mit Shootingstar Taylor Swift, wobei „Half of my heart” ein Beispiel für die Art von Duetten ist, bei denen der Hörer fast schon davon ausgehen kann, dass sich die Protagonisten nie im Studio begegnet sind, sondern lediglich Gesangsspuren per Email – oder wie auch immer – ausgetauscht wurden. Gelungene Duette klingen jedenfalls, als dieser mit distinguierten Country-Gitarren und einer kaum vernehmbaren weiblichen Stimme ausgestatte Song. Sei’s drum! Wenigstens lässt sich das kleine Tête-à-tête zur Not als nette Promotion verbuchen, von der beide Seiten profitieren: Taylor Swift kann sich neben einem angesehenen Musik-Genius sonnen, während ebenjener etwas vom Popstar-Hype der 20-Jährigen abbekommt. Und wer weiß, vielleicht finden Frau Swift und Herr Mayer auch einmal abseits der Musik zusammen? Schließlich werden dem Womanizer diverse Affären u.a. mit Jennifer Aniston und Jessica Simpson nachgesagt, über die er sich vielleicht auch verklausuliert in den Texten auf „Battle Studies“ auslässt.

Diese drehen sich nämlich weitgehend und die Themen Liebe, Lust und Leidenschaft – und zählen eher nicht zu den Stärken des 32-Jährigen. Diese sind eindeutig in seiner Kompositionskunst zu finden, die unaufdringliche Hooks und Melodien mit einem angenehm warmen Sound verbinden („Perfectly lonely“, „War of my life“), der neben John Mayer auch auf das Konto des „John Mayer Trio“-Drummers und Produzenten Steve Jordan (Alicia Keys, Solomon Burke, Buddy Guy, Patti Scialfa) geht. Doch dieser Schönklang hat auch Nachteile, da einige Songs fast schon zu zurückhaltend für den Radioeinsatz ausfallen, wie man an der ersten Single „Heartbreak warfare“ erkennen kann, die sich kaum im Gedächtnis fest brennt. Hartnäckiger ist dagegen die Ballade „All we ever do is say goodbye“ sowie das tolle Robert-Johnson-Cover „Crossraods“ (auch bekannt in der Version von Sir Eric Clapton), bei dem John Mayer als cooler Funkrocker brilliert.

„Battle Studies“ ist ein gut abgehangenes Werk, das kaum Schwächen aufweist, aber auch nur wenige Großtaten bereithält. Daraus resultiert ein Niveau, das andere Musiker nie im Leben erreichen werden, doch für ein Talent wie John Mayer ist ein Album, das „nur gut“ ist, fast schon zu wenig. Vielleicht sollte Mayer einfach versuchen, die ausgelassene Atmosphäre seiner Live-Auftritte im Studio zu reproduzieren.

Anspieltipps:

  • Crossroads
  • War of my life
  • Perfectly lonely
  • Heartbreak warfare
  • Friends, lovers or nothing

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