Glashaus - Neu - Cover
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Glashaus Neu


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Neu“ durchläuft eine stimmungsvolle Mischung aus Stücken, die entweder einen flotten Rhythmus bevorzugen, mit tanzbarem Unterbau aus den Lautsprechern perlen oder bis an den Minimalismus gereichende Balladen präsentieren.

Drei Alben, die das deutsche Musikbewusstsein subtil veränderten, haben Glashaus seit der Gründung vor zehn Jahren vorgelegt. Im Kern von poetischen Texten durchzogen, welche in zartbitteren Soul eingebettet sind, haben „Glashaus“ (04/2001), „Glashaus II (Jah Sound System“ (08/2002) und „Drei“ (05/2005) bislang ihre Anhängerschaft gefunden und diese dürfte sich nach dem Best Of „Von Herzen – Das Beste“ (11/2006) noch lange nicht verflüchtigt haben. Blöderweise war neben Produzent und Songschreiber Moses Pelham (bekannt durch seine Arbeit mit Sabrina Setlur, Xavier Naidoo und seinem Rödelheim Hartreim Projekt), sowie Martin Haas, der sich als „musikalischer Autor, Keyboarder, Programmierer, Sänger, Audio-Engineer und zweites Drittel von Glashaus“ verantwortlich zeichnet, von Beginn an Cassandra Steen das stimmliche Aushängeschild des Trios, welche nun aufgrund ihrer starken Soloaktivitäten (ihre letzte Single „Stadt“ gemeinsam mit Adel Tawil schoss in den deutschen Charts immerhin bis auf Platz 2) ihre Stelle bei Glashaus aufgegeben hat.

An ihre Stelle rückt die 20jährige Guiseppa Singt alias Peppa, die laut Pressefolder ihre gesamte Kindheit mit Songs aus der Feder Pelham/Haas verbracht und zudem noch ein Stipendium für Hochbegabte zugesprochen bekam als sie den ersten großen Glashaus-Hit „Wenn das Liebe ist“ vor einem dementsprechenden Gremium performt hatte. Die wichtigste Frage bleibt trotzdem: Kann Peppa Steen ersetzen oder ist sie lediglich ein kurzfristiger Ersatz bis die Ur-Vokalistin wieder mehr Platz in ihrem Terminkalender hat? Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Muss sie gar nicht. Die Sängerin ist nämlich von der Stimmfarbe der ehemaligen Soulistin weit genug entfernt, dass sie nicht als lückenbüßender Abklatsch gilt, hat aber trotzdem genug Kraft in der Stimme um in den Kontext der Glashausschen Kompositionen zu passen ohne sang- und klanglos unterzugehen oder gar die Stammhörerschaft der deutschen Band zu verschrecken.

Was allerdings die restlichen Eckpunkte (Musik, Text) anbelangt, so ist eigentlich alles beim Alten geblieben. „Neu“ durchläuft wie die drei Alben zuvor eine stimmungsvolle Mischung aus Stücken, die entweder einen flotten Rhythmus bevorzugen („Das hier“, „Streben nach Glück“, „Kennenlernen), im Midtempo verankert, aber mit tanzbarem Unterbau aus den Lautsprechern perlen („Nich´ lang“, „Licht“) oder langsame („Ich kann mich nicht bewegen“, „Spielt das hier bei Nacht“, „Sie kommt zu mir“) bis an den Minimalismus gereichende Balladen („Nich´ wie ich“, „Schwer“) präsentieren. Die Orchesterpassagen wurden außerdem vom bulgarischen Filmorchester eingespielt, wodurch sich in Zeiten der Digitalisierung aller erdenklichen Instrumente ein authentischer und künstlerisch hochwertiger Eindruck manifestiert, der zwar keineswegs so weit geht wie es einem der beigefügte Pressefolder weis machen will (Pelham und Haas „experimentierten mit verschiedensten Klangerzeugern und schreckten nicht davor zurück, Teile ihrer Aufnahmen extrem zu bearbeiten, wie man es sonst vielleicht eher im Elektrobereich erwarten würde“), obwohl davon auf „Neu“ letztendlich sowieso nichts zu vernehmen ist, aber mit gänzlich konventionellen und ausgelutschten Melodien werfen Pelham und Haas trotzdem nicht herum, sodass „Neu“ stets frisch und unverbraucht klingt. Eine andere Vorgehensweise wäre bei Glashaus ohnehin fehl am Platz gewesen, denn expressive Sample-Kunststücke haben bei dieser deutschsprachigen, dem Pop zugewandten Soulband einfach nichts verloren.

Anspieltipps:

  • Schwer
  • Das hier
  • Nich´ lang
  • Nich´ wie ich

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