Wirtz - Erdling - Cover
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Wirtz Erdling


  • Label: Wirtz Musik/Tonpool
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zehn Jahre nach der Gründung von Sub7even ist ihr Sänger Daniel Wirtz mit seiner zweiten Soloplatte am Start und bleibt seiner textlich harten Gangart, die musikalisch von alternativ rockenden Gitarren mit Grunge-Appeal durchzogen werden, treu. Schonungslos offen, authentisch und mit bissiger Gesellschaftskritik versehen, ist „Erdling“ nach „11 Zeugen“ (03/2008) trotzdem „nur“ ein kleines Update aus dem Hause Wirtz. Doch keine Angst, die Geschichten um „Liebe, Träume, Wahrheit und Schmerz“ brennen sich schneller ins Gedächtnis als einem lieb ist und das nicht nur, weil die ersten sieben Songs schonungslos auf den Hörer einprügeln und einem zynische Phrasen wie „Das Leben fickt mich jeden Tag ungeschützt und ungefragt“ oder „Aus Mutters Schoss gerissen und in die Welt geschmissen“ (aus „Meinen Namen“) von hart rockendem Unterbau in stets gleichbleibender Struktur um die Ohren geschmissen werden. Schließlich wäre die Platte, würde sie auf diesem Niveau bleiben, stark vorhersehbar und trotz der kritischen Texte arg beliebig.

Angesichts der wesentlich stärkeren zweiten Hälfte, gönnen wir Wirtz aber seine etwas unbedacht vor sich hin grollenden Stücke und nehmen an, der 32jährige hat diese lautstarke Katharsis eben benötigt um sich seiner Songschreiber-Qualitäten zu besinnen, denn nach der zu plakativen Religions- und Gesellschaftskritik „Meilenweit“ schlägt der Deutsche mit dem großartigen Gedankenkompendium „Scherben“ nicht nur ruhigere, sondern auch durchdachtere Töne an. Es folgt das rebellische „Frei“, gefolgt von der Nihilismus-Stimmung in „L.M.A.A.“ und „Kugel Kopf & Eins im Sinn“, während Wirtz mit „Siehst du mich“ den zweifelnden Liebhaber gibt oder zum Abschluss mit Zeilen wie „Man nennt es wohl den Overkill, weil man gar nicht so viel fressen kann, wie man kotzen will“ („Overkill“) die seelenlose Medienlandschaft anprangert.

Exemplarisch für die unterschiedliche, kompositorische Herangehensweise des Sub7even-Sängers sind aber trotzdem die zwei Songs „Nada brahma“ und „Leb´ wohl“, wo Wirtz einerseits einen wütenden Rocksong hinlegt und sich stimmlich richtig schön auskotzen darf und andererseits dem Titel nach eine besinnlich-sanfte Reise ansteuert („Nada brahma“ steht im Indischen für eine 60minütige Meditation, in der Körper und Geist in Harmonie gebracht zu innerer Ruhe führen sollen) und so den kompletten Longplayer in einen interessanten Kontext setzt. Die nähere Bedeutung wird in der Nummer allerdings nicht explizit erwähnt, da es dem Individuum vor dem Lautsprecher selbst überlassen werden soll, ob es sich im Internet oder einem Lexikon darüber informieren will oder nicht. Wirtz verfolgt mit „Erdling“ daher vor allem eins: Er will den Hörer anregen und sein Gemüt erregen um in ihm letztendlich etwas zu bewegen. Auf textlicher Ebene gelingt ihm das blendend, auf musikalischer nur bedingt. Am Ende siegt Wirtz mit seinen Soloambitionen trotzdem auf ganzer Linie, denn die unbekümmertere Ader von Sub7even wird sich nach dieser Vorstellung wohl niemand so schnell zurück wünschen.

Anspieltipps:

  • Scherben
  • Leb´ Wohl
  • Nada Brahma
  • Meinen Namen
  • Geschichten ohne Sieger

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