Transatlantic - The Whirlwind - Cover
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Transatlantic The Whirlwind


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sound klingt so vertraut, dass man die Musik mit unglaublicher Leichtigkeit aufsaugt.

Transatlantic fliegt wieder! Nach gut acht Jahren meldet sich die Supergroup, bestehend aus Neal Morse (Ex-Spock’s Beard), Roine Stolt (The Flower Kings), Pete Trewavas (Marillion) und Mike Portnoy (Dream Theater), mit ihrem dritten Studioalbum zurück. Im Sommer 2009 erfolgte die Ankündigung des neuen Materials, quasi aus dem Nichts heraus. Das kam so plötzlich und überraschend, dass gar keine Zeit blieb, Erwartungen an das Album zu hegen. Immerhin haben viele die Band ad acta gelegt nachdem Neal Morse ausgestiegen ist und das Luftschiff Transatlantic am Boden blieb. Nun, eine Sorge soll nicht verheimlicht werden. „The Whirlwind“ ist der Feder von Neal Morse entsprungen und der ist dafür bekannt, die Hörer auf seinen Soloalben mit schmalzigen christlichen Texten zuzunörgeln. Der Titel selbst, als auch der Fakt, dass er damit die Band wieder auferstehen ließ, gaben zumindest Anlass zur Hoffnung.

Was sofort auffällt, ist die klasse Produktion des Albums, die jedes Instrument klar und deutlich voneinander abhebt. Besonders erfreulich in Bezug auf den Bass, der ja meist unverständlicherweise untergeht. Pete ist zwar nicht der auffälligste Bassist, aber immerhin kann man ihn hören. „The Whirlwind“ scheint im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern deutlich spontaner und in kürzerer Zeit entstanden zu sein. Es entfaltet einen stark improvisierten Charakter, der nach wie vor Retro-Prog pur verkörpert, aber deutlich energiereicher und rockiger daherkommt.

Die ersten Noten des Albums ertönen nach ein wenig Vorgeplänkel und mehr braucht man nicht, um Transatlantic wieder zu erkennen. Bereits der erste Track lässt erahnen, was die kommenden 70 Minuten folgen wird: ein stets von Melodien umwobenes episches Klanggebilde. Entsprechend ohne Pausen geht es auch weiter, denn dieser Mammutsong wurde aus zwölf Kapiteln zusammengemeißelt. Free-jazzige Rockpassagen in „On The Prawl“ versetzen einen in die Zeit der alten Prog-Größen, besonders das schöne Zusammenspiel zwischen den prägnanten Basslinien von Pete und Neals Keyboardspiel. In Stücken wie „A Man Can Feel“ hört man dagegen die Handschrift von Stolt, es klingt sehr nach den Flower Kings.

In der Mitte des Albums büßt der Wirbelwind ein wenig an Stärke ein, aber er fängst sich danach wieder. „Lay Down Your Life“ kommt mit einem pompösen Arrangement der Marke Led Zeppelin um die Ecke und ist damit wohl das untypischste Lied von Transatlantic auf dem Album. Das kürzeste Stück „Pieces Of Heaven“ ist eine Überleitung zu einem der wenigen ruhigeren Teile des Albums „Is It Really Happening?“. Selbst da halten sie die langsameren Noten nicht lange aus, vollführen aber einen schönen Aufbau von fast Pianoballade bis zum richtigen Jam. Das innere Auge des Sturms, in dem es fast windstill ist, zieht einfach schnell vorbei, und schon ist man wieder mitten im Sturm. Zum Abschluss natürlich das längste Stück und darin die Wiederholung des Anfangsmotivs. Ein Kreis schließt sich.

Der Sound klingt so vertraut, dass man die Musik mit unglaublicher Leichtigkeit aufsaugt. Im Gegensatz zu vielen Alben dieses Genres braucht man keine unzähligen Hördurchläufe, um alles zu erkunden. Transatlantic spielen schließlich so wie immer, typische Morse-Kompositionen, Stolts Beiwerk, Standard Portnoy-Salven und ein wenig Würze von Trewavas. Überraschungen gibt es somit keine. Erstaunlich ist, dass die Musik zu gefallen weiß und trotz der Überlänge zu keiner Zeit langweilig wird. Es ist ein riesiger Wirbelwind, der über den Hörer hinweg fegt, ihn für 78 Minuten mitreißt, um ihn dann verwirrt wieder aus zu spucken. Wer hätte das für möglich gehalten, dass die Supergroup nach so langer Zeit, dort anknüpft, wo sie aufgehört hat.

Anspieltipps:

  • Overture / Whirlwind
  • On The Prowl
  • A Man Can Feel
  • Lay Down Your Life
  • Is It Really Happening?

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