Sting - If On A Winter´s Night - Cover
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Sting If On A Winter´s Night


  • Label: Deutsche Grammophon
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album verbreitet eine sagenhafte Winter- und sogar Weihnachtsstimmung.

Was macht ein Musiker, der so viel Respekt genießt wie Sting, der eigentlich alles erreicht hat und der nicht auf Verkaufszahlen aus ist? Er nutzt die künstlerische Freiheit in vollen Zügen, um sich den Themen zu widmen, die ihn beschäftigen, berühren und nicht loslassen. Bereits das letzte Album „Songs From The Labyrinth“ hat den einstigen Frontmann von The Police in einem ganz neuen Licht gezeigt. Die Musik eines der berühmtesten englischen Lautenisten aus der Renaissance, John Dowland, aufzunehmen, gehört sicherlich nicht in die Kategorie schnell zusammengeschustert.

Dieses Mal ist das Thema der Winter. Sting möchte die Ambivalenz, die er mit dieser Jahreszeit verbindet, zum Ausdruck bringen. Die bittere Kälte, die frühe Dunkelheit und die wunderschönen schneebedeckten Landschaften auf der einen Seite, die Wärme und Geborgenheit der eigenen vier Wände sowie den familiären Zusammenhalt auf der anderen Seite. Natürlich hat er dazu viele hervorragende Musiker eingeladen, die mit ihren akustischen Klängen die Atmosphäre des Winters hervorbringen, egal ob Gitarre, Harfe, Violine, Cello, Trompete oder Akkordeon.

Auf dem Album sind lediglich zwei Kompositionen von Sting zu finden, das neu arrangierte „Hounds Of Winter“ aus dem Album „Mercury Falling“ und „Lullaby For An Anxious Child“, das bereits als B-Seite auf einer Single erschien. Stings winterliche Reise führt uns über viele traditionelle Weihnachts- und Volkslieder in neu arrangierter Form, als auch vertonte Gedichte wie „Christmas At Sea“. In diesem wird ein Gedicht von Stevenson vorgetragen, das von einem Seemann erzählt, der an Heilig Abend auf See ist und sich nach seinem Daheim sehnt. Untermalt von Harfe und Kirchenglocken im Mittelteil, spürt man die Traurigkeit des Seemanns und die Kälte des Meeres.

Das Album verbreitet tatsächlich eine sagenhafte Winter- und sogar Weihnachtsstimmung, obwohl die Lieder sehr melancholisch klingen. Das ist aber nur das eine Gesicht dieses Albums. Wer genauer hinhört und sich mit den Texten beschäftigt, wird feststellen, dass sich eine riesige Kluft zwischen Aussagekraft der Musik und des Gesungenen auftut. Besonders die Schlaflieder haben eine sanfte Melodieführung, erzählen aber oft traurige oder gar makabere Geschichten. In „Burning Babe“, was musikalisch etwas fülliger und vor allem jazziger daherkommt, wird über die Vision des in seiner Krippe brennenden Christi gesungen, der für die Sünden der Menschen bezahlt. Die Teilnahme von Jack DeJohnette am Schlagzeug, einem Weggefährten von Keith Jarrett und Meister seines Fachs, sowie ebenfalls Top-Jazzer Kenny Garrett am Saxophon machen dieses Stück zu einem der Höhepunkte des Werks.

Das eingängige „Soul Cake“ erzählt von den Seelenkuchen, die man zum Allerseelen Tag, der direkt auf den Allerheiligen Tag folgt, an Kinder und Arme verteilte, symbolisch für die Stärkung der Seelen, die aus dem Fegfeuer aufsteigen. Ein Brauch der angeblich zum heutigen verteilen von Süßigkeiten an Helloween mutiert ist. Viele weitere interessante Geschichten werden beim Erkunden von „If On A Winter's Night...“ zu Tage befördert. Wer sich für solche Bräuche interessiert, kann hier einige Ideen zum nachforschen entdecken.

Als Inspirationsquelle für diese Musiksammlung diente unter anderem Franz Schuberts „Winterreise“ und auf diese begab sich auch der Redakteur. Eine Hommage an dieses klassische Werk ist „Hurdy Gurdy Man“, für das Sting den Text von „Der Leiermann“ selbst adaptiert hat. Auch für „You Only Cross My Mind In Winter” wählte Sting ein weiteres klassisches Motiv, diesmal von Johann Sebastian Bach. Außerhalb der kalten Jahreszeit kann diese Musik dazu dienen sich kurzzeitig in den Winter zu versetzen, der hier aus allen Ritzen strömt. Die Traditionen aufrecht erhaltende Musik, künstlerisch sehr wertvoll, aber nicht Alltags tauglich.

Anspieltipps:

  • Soul Cake
  • There Is No Rose Of Such Virtue
  • Christmas At Sea
  • The Burning Babe
  • Lullaby For An Anxious Child

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