Rebekka Bakken - Morning Hours - Cover
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Rebekka Bakken Morning Hours


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das zuerst versucht mit poppigen, einprägsamen Refrains zu überzeugen und erst in der zweiten Hälfte mehr Tiefgang entfaltet.

Von Jazz ist hier kaum etwas zu hören, von Pop auch nicht so viel. Eigentlich ist von allem weniger vorhanden, als es die Erwartungen ins Ohr flüstern. Rebekkas Stimme ist zwar präsent, aber die Frau kann deutlich mehr, als sie hier darbietet. Das alles liegt an der Ursprünglichkeit, die diese Lieder ausstrahlen sollen. Ohne Umwege von der Idee zum fertigen Song verarbeitet, um möglichst die Grundstimmung einzufangen, während derer sie entstanden sind. Hier ist auch die Verknüpfung mit den morgendlichen Stunden zu suchen, dem Titel des Albums. Morgens, wenn die Welt erwacht, noch unbelastet von den Geschehnissen und Gedanken des Tages, still und leise, langsam und bedächtig in die Gänge kommt. So klingt die Musik, doch nicht jeder hat so einen schönen Morgen, wenn der Wecker klingelt und die Arbeit ruft.

Auch wenn von vielem weniger da ist am Morgen, so muss auch etwas spezielles in der Luft liegen. Bei „Morning Hours“ ist es der leichte Country-Einfluss, der darauf zurück zu führen ist, dass die Norwegerin ihr Album in Amerika aufgenommen hat und sich dafür den Erfolgsproduzenten Craig Street geangelt hat, der mit Norah Jones auf „Come Away With Me“ zusammengearbeitet hat. Norah hat einen Grammy mit diesem Album gewonnen. Die Ausrichtung soll wohl auf eine größere Hörerschaft abzielen, wenn auch nicht mit dem gleichen Rezept.

Die guten Seiten des Morgens erstrahlen mit der melodischen Auseinandersetzung über die Frau vor dem Spiegel („Powder Room Collapse“), Gitarrensolo und Mundharmonika inklusive, oder gleich darauf im poppig besungenen Beziehungsdrama „No Easy Way“. Einige Lieder sind durch Nebel verschleiert und entfalten keine einprägsame Wirkung, wie das Countrylied „Ghost In This House“, das eher monotone, tief gesungene „To Be Your Lover“ oder das ein wenig gequälte „Starlight Of Your Heart“. Eine Ballade durch und durch ist „October Nights“, dass eine unerklärliche Vertrautheit ausstrahlt, besonders diese eine Pianostelle. Überhaupt fallen bei einigen Liedern besondere Stellen positiv auf, Gesangsmelodien oder Pianomotive, ohne das die Lieder als Ganzes punkten können.

Im Endeffekt haben wir ein Album, das zuerst versucht mit poppigen, einprägsamen Refrains zu überzeugen und erst in der zweiten Hälfte mehr Tiefgang entfaltet. Meist sind es Balladen, die entweder Folk- oder Popterrain beschreiten, aber manchmal einfach zu sanft instrumentiert sind oder zu wenig Stimmvarianz bieten. Die Stimmung allein kann die musikalischen Lücken nicht füllen, so dass eine gewisse Langeweile ab und zu nicht abzuschütteln ist. Einige wirklich sehr schöne Lieder wiegen diesen Umstand aber wieder aus. Frau Bakken ist also nicht ausschließlich hübscher anzusehen als anzuhören.

Anspieltipps:

  • Powder Room Collapse
  • No Easy Way
  • October Nights
  • In The Early Morning Hours

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