Oceansize - Home & Minor EP - Cover
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Oceansize Home & Minor EP


  • Label: Superball/EMI
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Stille Wasser sind tief lautet ein Sprichwort und Oceansize sind diesmal in stillen New Artrock Sphären unterwegs. „Home & Minor“ heißt die neue EP und reflektiert damit sowohl die Entstehung und die Aufnahme dieser Musikstücke im neuen, eigenen Heimstudio, als auch die Art der Musik. Grandios ist, dass die Manchesteraner auf jeder neuen Scheibe eine neue Herangehensweise wagen, ihre Musik umkrempeln und doch immer als sie selbst identifizierbar bleiben.

Das Fehlen von einprägsamen Melodien wird den Mainstream Rockhörer abschrecken, so wie es schon „Frames“ getan hat. Dabei macht die Unberechenbarkeit und Wandlungsfähigkeit Oceansize gerade so besonders. Mit „Everyone Into Position“ haben sie sich in Richtung Alternative bewegt und viele neue Hörer gewonnen, die sie mit dem starken „Frames“ auch wieder abgestoßen haben, was man an den vielen kritischen Rezensionen sehen konnte. Die Sperrigkeit des Albums und seine leichte Post-Rock-Attitüde machten es dem Hörer nicht leicht den Zugang zu finden. Auf „Home & Minor“ ist das nicht anders. Es ist sogar schwieriger, die Musik weniger greifbar, weil deutlich zurückhaltender als auf dem Vorgänger.

Experimentierfreudig zeigen sich die fünf Engländer in „Getting Where Water Cannot“, das mit einem zuerst kaum auffälligen Bläserpart im Hintergrund, Gastvocals von Kate Ray und zum Ende sogar einem Hauch Elektro besticht. Das Titelstück ist, wie der Titel selbst, interessanterweise zusammengesetzt. Zwei unterschiedliche Kanäle dringen ans Ohr, die sich durch den Stereoeffekt überlagern. Links ist das Schlagzeug und rechts die Stimme von Mike Vennart zu hören, die Gitarren springen hin und her, mal zusammen, mal getrennt, lediglich die Keyboardklänge sind ständig aus beiden Boxen zu vernehmen und halten das Lied beisammen. Das düsterste Stück („The Strand“) heben sich Oceansize zum Schluss auf, mit pochendem, dominierendem Schlagzeugspiel und an Sprechgesang angelehnter tiefer Stimme, die an Mike Patton erinnert.

Zwei instrumentale Stücke füllen die Lücken zwischen den eigentlichen Songs. „Monodrones“ ist ein seltsames Klanggebilde, das von einer ächzenden Gitarre geleitet wird, die an Windgeräusche erinnert. Irgendwie Post-Rockig. „Didnealand“ hingegen wird von einem Klaviermotiv angeführt, während Mark mit dem Besen im Jazz-Stil sanft sein Schlagzeug streichelt. Auch hier wird mit der Verlagerung von Tönen von einer auf die andere Seite gespielt. Insgesamt erfüllt eine hypnotische Musik jenseits jeglicher Kategorisierungsmöglichkeiten den Raum. Sie bietet viel, will oft gehört werden, entblößt sich jedes Mal ein Stückchen mehr und bleibt irgendwie trotz dessen ständig leicht verhüllt.

Anspieltipps:

  • Getting Where Water Cannot
  • Home & Minor
  • The Strand

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