Wolfmother - Cosmic Egg - Cover
Große Ansicht

Wolfmother Cosmic Egg


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
10/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dem Quartett gelingt es auf dem häufig so schwierigen zweiten Album nicht nur, an den starken Vorgänger anzuknüpfen, es übertrifft diesen sogar und lässt eine äußerst positive Weiterentwicklung erkennen.

Zwischenzeitlich war es sehr still geworden um Wolfmother. Nach dem Megaerfolg ihres Erstlings aus dem Jahre 2005, einem Grammy und unzähligen weiteren Auszeichnungen sowie einer gefeierten Welttournee, hatte sich das Trio seine kreative Pause auch wirklich redlich verdient. Nur wenige Monate später folgte dann allerdings der Schock: Die Gerüchte über einen Ausstieg von Myles Heskett und Chris Ross erwiesen sich als wahr und plötzlich stand Frontmann Andrew Stockdale aufgrund von „unüberbrückbaren Differenzen“ ohne Band da.

An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein – doch Stockdale machte sich mit einigen neuen Songs im Gepäck auf die Suche nach einer passenden Nachfolge-Besetzung. Im Januar 2009 wurden dann mit Aidan Nemeth (zweiter Gitarrist), Ian Peres (Bass, Keyboard) und Dave Atkins (Drums) gleich drei neue Mitglieder offiziell vorgestellt. Gemeinsam mit Produzent Alan Moulder (Nine Inch Nails, The Smashing Pumpkins, …) begann anschließend die gemeinsame Arbeit an „Cosmic Egg“, dem neuen Album, das die Erfolgsgeschichte weiterschreiben sollte.

Bereits vor den ersten Höreindrücken fällt das unheimlich treffende Cover-Artwork ins Auge: Wolfmother sind der sanft leuchtende Regenbogen am dunklen Horizont des desillusionierten und verbitterten Musik-Liebhabers vergangener Tage, während er den jungen Hörer von heute bei seinen ersten vorsichtigen Schritten in Richtung Old-School-Rock betrachtet. Und so schwebt auch „Cosmic Egg“ irgendwo zwischen zwei Welten und kämpft um seinen Platz in einer Epoche, in die es sich eher gezwungenermaßen denn freiwillig einordnen muss. Der entscheidende Unterschied zwischen Wolfmother und unzähligen anderen Led-Zeppelin-Gedächtnis-Bands ist dabei: Den Australiern gelingt das Kunststück. Auch der Nachfolger ihres selbstbetitelten Debüts ist weder schwache Durchschnittskost noch ein billiger Abklatsch, sondern ein eigenständiger und gut durchdachter Longplayer.

Nach dem Kauf sollte man sich auf jeden Fall die nötige Zeit für den ungestörten und vollständigen Genuss dieser Platte nehmen – der Eindruck ist überwältigend. Und als schließlich zum ersten Mal der grandiose Schlusstrack „Violence Of The Sun“ aus den Boxen schallt, will man kaum wahr haben, dass es sich dabei bereits um das Ende von „Cosmic Egg“ handelt. Also alles zurück auf Anfang und los geht’s mit „California Queen“, einem der lauteren Songs des Albums. Dabei steht laut an dieser Stelle keineswegs im Widerspruch zu einem ausgefeilten Songwriting: Statt geradlinigem Standard-Rock servieren Wolfmother einen wuchtigen und mit Tempowechseln gespickten Opener, der dem Hörer immer wieder kurze Verschnaufpausen gönnt, um dann wenige Takte später mühelos erneut Fahrt aufzunehmen. Das macht definitiv Lust auf mehr!

Nach der mittlerweile bekannten Single „New Moon Rising“ und dem darauf folgenden „White Feather“ präsentiert sich „Sundial“ als kompromissloser, von bombastischen Riffs und Andrew Stockdales unverwechselbarer Stimme vorangetriebener Rocksong – auch das obligatorische Gitarrensolo darf hier natürlich nicht fehlen. Anschließend schlagen die Australier etwas ruhigere Töne an. An einen von starken Melodien getragenen Titel („In The Morning“) reihen sie das rhythmuslastige „10,000 Feet“, der Titeltrack „Cosmic Egg“ driftet in die Gefilde des Bluesrock ab und führt schließlich zur wunderschönen Halbballade „Far Away“.

Kein Lied gleicht dem anderen, an keiner Stelle kommt Langweile auf. Das gilt insbesondere auch für das letzte Drittel der CD: Statt unnötiges Füllmaterial und halbgare Durchschnittskost abzuliefern spielen Wolfmother hier groß auf. Ganz gleich ob die Riffs in „Pilgrim“, die begeisternde Build-Up-Struktur von „In The Castle“ oder der mitreißende Klang eines „Phoenix“ – diese vergleichsweise ausgedehnten Songs sind die wahren Highlights auf „Cosmic Egg“. Das bereits angesprochene „Violence Of The Sun“ krönt schließlich eine großartige Platte und begeistert selbst nach unzähligen Durchläufen stets aufs Neue. Nicht zuletzt deshalb überkommt den Hörer nach dem Ausklingen der letzten Takte das Gefühl, gerade ein echtes Meisterwerk gehört zu haben.

Doch auch für das gesamte Album bleibt festzuhalten: Dem Quartett um Andrew Stockdale gelingt es auf dem häufig so schwierigen zweiten Album nicht nur, an den starken Vorgänger anzuknüpfen – „Cosmic Egg“ übertrifft diesen sogar und lässt eine äußerst positive Weiterentwicklung erkennen. Der typische Wolfmother-Sound ist über die gesamte Spieldauer stets präsent, wird dabei allerdings von den unterschiedlichsten Seiten beleuchtet und um zahlreiche Einflüsse und Facetten bereichert – die gewohnt tadellose Produktionsarbeit von Alan Moulder tut ihr Übriges. Heraus kommt dabei letztendlich eine sehr homogene und in sich stimmige CD, auf der kein einziger Titel überflüssig oder am falschen Platz zu sein scheint. Spätestens nach diesem Album sind Wolfmother somit auf dem besten Weg, in den etablierten Kreis der großen Rockmusiker des 21. Jahrhunderts aufzusteigen. Oder mit den Worten von Stockdale: „Für ‚Cosmic Egg‘ habe ich meinen Job gemacht, was nun damit geschieht, liegt in der Hand des Hörers.“

Anspieltipps:

  • California Queen
  • Sundial
  • Far Away
  • In The Castle
  • Phoenix
  • Violence Of The Sun

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Into The Great Unknown
  • 2017    
Diskutiere über „Wolfmother“
comments powered by Disqus