Westernhagen - Williamsburg - Cover
Große Ansicht

Williamsburg


  • Label: Kunstflug/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein neuer „alter“ Westernhagen, der nicht mehr den Mick Jagger für Arme gibt.

Mit seinem 18. Studioalbum „Williamsburg“ (benannt nach einem Stadtteil in Brooklyn, New York, der für seine lebendige Musikszene bekannt ist) gilt es für Marius Müller-Westernhagen (61) Wiedergutmachung zu praktizieren, da sein 2005er Werk „Nahaufnahme“ sowohl künstlerisch („... ein langweiliges Album eines alternden Rockstars, der mal was Neues ausprobieren wollte“) als auch kommerziell trotz 100.000 verkaufter Exemplare weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

Auch wenn Westernhagens Verkaufsrekorde der 90er Jahre sowie sein mitreißender Stadionrock heutzutage kein Maßstab mehr sehr sein können, ist die Erwartungshaltung bei den Fans und der Plattenfirma immer noch sehr hoch. Beide wurden mit „Nahaufnahme“ enttäuscht, was sogar dazu führte, dass der Vertriebsdeal mit Warner Music nach über 30 Jahren in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. Seitdem kümmert sich Westernhagen mit der Kunstflug Entertainment GmbH persönlich um seine Belange, wodurch er ohne Druck und in aller Ruhe seiner künstlerischen Arbeit nachgehen kann.

Mit „Williamsburg“ ist Westernhagen nun doch wieder bei Warner Music gelandet, die in einer Art Joint-Venture den Vertrieb des Albums übernommen haben. Alte Liebe rostet eben doch nicht. Und vielleicht kehren auch die Fans in größerem Umfang in den Schoß des „Armani-Rockers“ zurück. Denn mit „Williamsburg“ kehrt der 61-Jährige zumindest ein wenig zurück zu seinen Wurzeln, wobei Brooklyn als Aufnahmeort sehr stark auf den Sound des Album abgefärbt hat.

Immer noch so entspannt wie auf dem kritisierten Vorgängeralbum, aber mit erheblich mehr musikalischem Pep, präsentiert Marius Müller-Westernhagen seine typischen Geschichten („Komm schon“) und persönlichen Ansichten („Hey, hey“), die mitunter recht spinnert ausfallen („Schinderhannes“). Kann sein, dass das Publikum dadurch in zwei Lager gespalten wird, doch dies sind die Ecken und Kanten, die „Nahaufnahme“ gefehlt haben und evtl. auf den Co-Produzenten Kevin Bents zurückzuführen sind, der bereits das herausragende 2002er Album „In den Wahnsinn“ betreute.

Neben Country („Typisch du“), Rock („Zu lang allein“), Pop („Ein Mann zwischen den Zeilen“), Blues („Wir haben die Schnauze voll“ – der beste Song des Albums!) und der obligatorischen Kitschballade („Heute Nacht“), gibt es heuer auch gediegene Tango-Rhythmen („Mit beiden Füßen auf dem Boden“) und an den späten Johnny Cash gemahnende Klänge („Liebeswahn“) zu hören. Dadurch ergibt sich ein spannendes, gut austariertes Album, auf dem sich ein neuer „alter“ Westernhagen präsentiert, der nicht mehr den Mick Jagger für Arme gibt, aber auch noch kein Fall für das Altersheim ist, wie das vorherige Album befürchten ließ. Wiedergutmachung geglückt!

Anspieltipps:

  • Typisch du
  • Liebeswahn
  • Aus dir Mutter
  • Wir haben die Schnauze voll
  • Ein Mann zwischen den Zeilen

Dieser Artikel ging am um 11:26 Uhr online.
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
5.5/10


Lunatic

  • 2014    
Diskutiere über „Westernhagen“
comments powered by Disqus

Einfach losschreiben!

X

Ergebnisse: