Tim Plus - Nächster Halt - Cover
Große Ansicht

Tim Plus Nächster Halt


  • Label: Jakarta/Groove Attack
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Aufbruchsstimmung ist immer etwas Gutes. Auf zu neuen Ufern möchten jene rudern, die die Parolen des „Arsch-hoch-Bekommens“ mit grölender Euphorie in die Welt posaunen. Erreichbar sind neue Ufer aber auch mit den ältesten Segelschiffen. Tim Plus heißt der Skipper, „Nächster Halt“ das dazugehörige Schiff. Der Newcomer aus Köln veröffentlicht mit „Nächster Halt“ seine erste LP. Wer nun aggressive Lyrics übers Kiffen, Ghettos und Nutten erwartet, wird leider enttäuscht werden. Tim Plus kämpft im Kampf um einen Platz im deutschen Hip-Hop Business mit Charme, Intelligenz, Humor und einem ausgetüftelten Sound.

Viel gibt es über Tim Plus nicht zu sagen. „Nächster Halt“ ist vom profilierten Jazz Musiker Til Schneider (Tailormade Productions) produziert. Klingt seltsam, im Genre des HipHop ist Schneider aber kein unbekannter. Musikalisch wird Tim Plus von DJ Malik unterstützt, seines Zeichens DJ von Clueso. Live ist der Newcomer aus Köln meist mit seiner Live-Band „Plusband“ unterwegs. Selbst im dazugehörigen Pressetext stehen keine weiteren Hype-Versuche durch das nennen bekannter Musiker, die schon einmal irgendwann etwas Positives über Tim Plus gesagt haben sollen. Die gängige Art und Weise präsentiert sich hier in ihrer Ausnahme. Ganz ohne Erwartungen entfacht das Album eben erst seine ganze Magie. Von dieser Präsentationsart könnte sich so manch Label eine Scheibe abschneiden.

„Du hast da was“ macht den Anfang. Die anfängliche Erwartungslosigkeit weicht spätestens nach dem zweiten Refrain der puren Begeisterung. Wow. Es gibt sie noch, die jungenHipHop-Künstlern, welche keine Rekordzahlen in „Worte die sich auf H****sohn reimen“ aufstellen wollen. Mit einer Mischung aus Cluesos frühen Tagen, Blumentopfs Leichtfüßigkeit und Dendemanns Flow tanzt Tim Plus übergangslos durch sein Debütalbum. „Pappkartons“ spielt mit dem Sound im Ohr des Hörers Katz und Maus. Als gäbe es nichts Leichteres, vermischen sich Trompeten, Synthesizer und Bass zu einem unwiderstehlichen Zaubertrank. „Moin“ wirkt etwas monotoner und düsterer, verliert aber nie an Qualität. „Was bewegen“ kommt genau in dem Moment, in dem zum ersten Mal die Angst aufkommt, das könnte jetzt schon der Hochpunkt der Parabel gewesen sein. Mal schneller, mal verschleppend, mal melodisch oder mal mit etwas mehr Nachdruck. Tim Plus Rap-Technik lässt keine Wünsche offen.

Fast schon müßig erscheint das Aufzählen der Stärken der einzelnen Songs. „LLM“ erzählt die Liebe zur Lieblingsband und überzeugt mit musikalischer Brillanz. „Uschi & Renate“ zeigt, dass Tim Plus auch komplett anders kann. „Saubermann“ hätte Seed auch nicht besser hinbekommen (hört sich stark nach Seed an) und „Hunger“ verdient genau ein Adjektiv aus dem Vokabular des Hip-Hops: Tight. „Oink Oink“ und „Round N Round“ stellen die Beiden schwächsten Songs auf „Nächster Halt“. Mit deutlich weniger Wiedererkennungswert fällt das Duo vom Rest des hervorragenden Debutalbums ab. „Im Kopf“ macht das Album komplett und beweist sogar noch eine nachdenkliche Seite des Künstlers Tim Plus. Zum Schluss gibt’s die erste Single „Wohin“ auf die Ohren. Wieso gerade „Wohin“ als Singleauskopplung herhalten muss, ist eigentlich völlig egal. An qualitativer Auswahl mangelt es auf „Nächster Halt“ am aller wenigsten.

Anspieltipps:

  • Du hast da was
  • Was bewegen
  • Uschi & Renate
  • Hunger
  • Im Kopf

Neue Kritiken im Genre „HipHop/Rap“
5/10

Ich Und Keine Maske
  • 2019    
Diskutiere über „Tim Plus“
comments powered by Disqus