Katatonia - Night Is The New Day - Cover
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Katatonia Night Is The New Day


  • Label: Peaceville/EDEL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine grandiose Vertonung herbstlicher Stimmungen.

Die Musik von Katatonia ist beim ersten Hören einmal mehr kalt, dunkel und wenig einladend. Die Titel ihrer Alben, wie „Viva Emptiness“, „The Great Cold Distance“ oder das neue „Night Is The New Day“, sind das perfekte Spiegelbild dieser musikalischen Emotionen. Erst nach einigen Durchläufen beginnen sich die Melodien, die Harmonien und die charakteristischen Merkmale zu kristallisieren, um den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Wer nicht die nötige Neugier und Geduld mitbringt, wird die Schönheit dieser Musik nie entdecken. Es ist ein Phänomen, das mir persönlich bei keiner anderen Band in diesem Ausmaß begegnet ist. Wer aber die bezaubernde Seite dieser Musik einmal entdeckt hat, wird sich fragen wie es je anders sein konnte. Wieso diese Seite nicht sofort herausgehört werden konnte, weil es doch so offensichtlich ist?

Das Album fängt mit einem der härteren Songs an („Forsaker“), indem die Abstimmung zwischen einschneidenden Riffs, einprägsamen Zwischenparts, Gitarrensolo und Gesang perfekt gelungen ist. Vorwiegend haben wir es aber mit Hybriden aus hart und sanft zu tun, einem angenehmen Wechselspiel der Gefühle. Es hat etwas von einer Sauna, wie eine Schleife aus vom Warmen ins Kalte zu springen und wieder zurück. Sauna ist ein Thema von dem die Skandinavier etwas verstehen.

Die Schweden scheinen sich immer mehr vom reinen Metal zu entfernen. Ihre eruptiven harten Riffs haben abgenommen, die ruhigen emotionalen Passagen weiter zugenommen. Ihre Musik ist endgültig im Bereich des Progressive Rock angekommen, gepaart mit der düsteren Atmosphäre und den aggressiven Metalriffs wird dies immer öfter als Dark Metal betitelt, denn das trifft den Nagel auf den Kopf. Sehr passend knüpfen sich Katatonia die Nacht vor und zeigen ihre verschiedenen Facetten auf, an einem Ort mit Angst erfüllte Dunkelheit („The Promise Of Deceit“ oder auch „Departer“), woanders reges Treiben wie bei Tag („Liberation“ und ebenso „Day And Then The Shade“). Einige Songs trauen sich nicht aus ihrem nächtlichen Unterschlupf, allem voran das leiseste, teils von Streichern begleitete „Inheritance“.

Katatonia haben auf ihrem achten Studioalbum ein inoffizielles sechstes Bandmitglied, Frank Default, der für Synthesizer, Rhodes Piano und Programming verantwortlich ist. Sein Beitrag ist nicht zu verachten, denn der Anteil an elektronischen Klängen ist erneut größer geworden. Witzig, bei Opeth war es eine Zeitlang nicht anders, bevor sie Per Wiberg voll in die Band integriert haben. Diesen Weg wird Katatonia wahrscheinlich nicht gehen, aber auch so beweisen sie ihre Nähe zu Opeth, nicht nur dank der selbigen Herkunft (Stockholm) und dem ehemaligem Gesang von Mikael Akerfeldt. „Idle Blood“ ist ein Song, der auf dem „Damnation“-Album von Opeth hätte landen können, ohne dass jemand gemerkt hätte, dass er in Wahrheit von Katatonia ist. Eine wundervoll geschmeidige Stimme von Renske umspielt den Hörer mit Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Schon nach wenigen Hördurchgängen summt man Teile von „Idle Blood“ noch ohne zu wissen, welches Lied man da eigentlich von sich gibt.

Mit „Night Is The New Day“ haben Katatonia eine grandiose Vertonung der herbstlichen Stimmungen erschaffen, ein Soundtrack für die kalte Jahreszeit, der besonders bei Hörern von Anathema gut aufgehoben sein sollte.

Anspieltipps:

  • Forsaker
  • Idle Blood
  • The Promise Of Deceit
  • New Night
  • Inheritance

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