Pelican - What We All Come To Need - Cover
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Pelican What We All Come To Need


  • Label: Southern Lord/SOULFOOD
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn sich Fans, Musikhörer, Genrefanatiker und Co. über die Existenz beziehungsweise Nichtexistenz des Genres Post-Metal streiten, dann fällt mit großer Sicherheit ein Bandname, nämlich der von Pelican. Kaum eine andere Band hat diese Gratwanderung zwischen Post-Rock und Metal besser verkörpert als jene vier Jungs aus Chicago. Die rohe Power, die kompromisslosen brachialen Riffs gepaart mit spannungsgeladener, Angst einflößender Atmosphäre haben die langen instrumentalen Stücke von „Australasia“ und „The Fire In Our Throats Will Beckon The Thaw“ aus den Standards des Post-Rock hervorgehoben und zu einem Highlight des Genres aufsteigen lassen.

Moment, hat verkörpert, wieso die Vergangenheitsform? Tja, Pelican haben bereits auf ihrem Vorgängeralbum „City Of Echoes“ eine Kehrtwende eingeschlagen, ihre Kompositionen einer Verkürzungskur unterzogen, ihnen eine ordentliche Portion Eingängigkeit verliehen und dafür einiges von ihrer brachialen Art auf der Strecke liegen lassen. Das klang überraschend anders, interessant dank der gelungenen Balance zwischen alten und neuen Markenzeichen, vorwiegend groovenden Parts und harten Einschlägen. Der Umschwung hat aber auch für Verwirrung gesorgt, eine gewisse Sorge um die Zukunft der Band gestreut. Was hat sich also seitdem getan?

Auf dem neuesten Werk „What We All Come To Need“ unternehmen die Amerikaner den Versuch die Gegensätze des Vorgängers noch mehr zu vereinbaren, zu glätten und ineinander überfließen zu lassen. Das scheint zunächst gut gelungen zu sein, besonders „Ephemeral“ mit seinen Gitarrenattacken und „Specks Of Light“ mit seiner Vielseitigkeit und klasse Drumming, zeigen, was die Herren aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten drauf haben. „Inch Above Sand“ ruft mit seiner strikt harten Gangart die alten Tage dieser Band in Erinnerung.

Der Schein trügt aber, denn nach der Hälfte der Platte driftet man davon in eine leichte, gepflegte Langeweile. Nach wie vor sehr ordentliches musikalisches Niveau versteht sich, aber es tauchen immer mehr berechenbare Momente auf, kleine wiederkehrende Kopien schon gehörter Passagen und andere Ähnlichkeiten. Zum Glück servieren uns Pelican zum Schluss doch noch eine kleine Überraschung, den ersten Gesang. Allen Epley entstaubt die Komposition von „Final Breath“ und spendiert dem Song eine passende Stimmperformance. Echt klasse, sollten Pelican öfter machen, so wie die Kollegen von Long Distance Calling auf jedem Album einen Song mit Gastgesang anbieten.

Sicherlich können Pelican mit ihrem aktuellen, leichter aufnahmefähigem Stil neue Hörer erschließen, aber die Fans der ersten Stunde besitzen nun die Gewissheit, ob es ihnen gefällt oder nicht, dass „City Of Echoes“ keine Ausnahme, sondern der Beginn einer neuen Phase dieser Band war, die mit dem aktuellen Album ihre Fortsetzung findet. Ihre Ausnahmestellung ist am Wanken und vielleicht erübrigt sich somit bald die Diskussion um das Thema Post-Metal oder findet in Zukunft ohne den Namen Pelican statt.

Anspieltipps:

  • Ephemeral
  • Specks Of Light
  • Final Breath
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