Thomas Godoj - Richtung G - Cover
Große Ansicht

Thomas Godoj Richtung G


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Thomas Godoj (31) hat im vergangenen Jahr die fünfte Staffel der RTL Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS) gewonnen, danach über 200.000 Alben verkauft, eine Nummer-1-Single gehabt, zwei ausverkaufte Tourneen bestritten und den begehrten Echo gewonnen. Das ist in der Tat ein äußerst verheißungsvoller Karrierestart, allerdings auch nicht wirklich ungewöhnlich im Zusammenhang mit DSDS-Gewinnern. Wichtiger ist: Was kommt danach?

Was passiert, wenn die TV-Präsenz weniger wird, weil z.B. schon der nächste DSDS-Gewinner in den Startlöchern steht, wenn die Schaulust und Sensationsgier des Publikums nachgelassen hat und die neuen Songs nicht mehr die Top 10 der Charts stürmen? Dann erst beginnt die Realität im Leben eines Künstlers, der quasi vom Volk gewählt wurde und trotzdem – wie alle – kein Erfolgsabonnement besitzt. Die meisten Castingshowentdeckungen gehen auf diese Weise ganz schnell in die ewigen Jagdgründe des Musikzirkus ein – oder auch, weil sie nicht mit Dieter Bohlen zusammenarbeiten wollen.

Thomas Godoj ist von Anfang an einen anderen Weg gegangen und hat es sich damit nicht leicht gemacht. Damit ist er sehr gut gefahren und auch für sein zweites Album „Richtung G“ verlässt sich Godoj auf sein Gespür und Partner ganz nach seinen eigenen Vorstellungen. So verpflichtete er mit Andreas „Bär“ Läsker einen der erfolgreichsten deutschen Musikmanager der vergangenen 20 Jahre (Die Fantastischen Vier) und legte auch bei der Wahl der Songwriting- und Produktionspartner Wert auf frisches Blut. So sind heuer u.a. Michel van Dyke, Axel Bosse, René Lipps und die Produzenten Oliver Nova, Christoph Rau und Nicolaij Sukup vertreten, um Thomas Godoj einen Sound auf den Leib zu schneidern, mit dem er glücklich ist.

Aus einer Vielzahl vorgelegter Songs, hat sich Thomas Godoj 13 Stücke für „Richtung G“ ausgewählt, darunter nur noch drei englischsprachige sowie ein auf Polnisch (!) gesungenes Lied („Zwykla Milosc“). Schnell wird dabei deutlich, dass nicht die schnelle Hitsingle im Visier steht, sondern das Album als Ganzes wirken soll. Zwar funktionieren die englisch gesungenen Songs bis auf ein paar Ausnahmen wie „Schnee von gestern“, oder „Winterkinder“ weiterhin am besten, was auch daran liegt, dass so mancher Text nicht auf Anhieb inhaltlich seziert wird, aber das ist eh ein altes Problem der eigenen Muttersprache: Der Songschreiber und seine Texte stehen ungleich stärker auf dem Prüfstand und typisch deutsche Betroffenheitstexte á la Silbermond und Co. führen schneller zu Verdruss.

Mit dem Albumtitel „Richtung G“ will der 31-Jährige klarmachen, dass auf seinem zweiten Longplayer nun auch 100%ig drin ist, was auf der Hülle draufsteht: Nämlich überwiegend deutschsprachige Popmusik, mit der sich Thomas Godoj als Sänger besser profilieren und am Markt etablieren könnte. Noch ist das Ohr zwar an den „englischen Godoj“ gewöhnt, aber mit diesem Album scheint der Recklinghausener auf einem guten Weg zu sein, auch wenn es ein langer wird, bis er sich (nicht nur kommerziell) mit den ganz Großen der deutschen Popszene messen Kann.

Anspieltipps:

  • Cocoon
  • Winterkinder
  • Walking with you
  • Schnee von gestern
  • Where did your love go wrong

Neue Kritiken im Genre „Pop“
7/10

Playback: The Brian Wilson Anthology
  • 2017    
Diskutiere über „Thomas Godoj“
comments powered by Disqus