Captain Planet - Inselwissen - Cover
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Captain Planet Inselwissen


  • Label: Unterm Durchschnitt/Broken Silence
  • Laufzeit: 30 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das knackige Konzept der kontrollierten Punk-Offensive zieht sich auch auf Album Nummer zwei wie ein roter Faden durch.

Wasser kommt, Wasser geht! Diese seemännische Erkenntnis ist nicht nur den Meeres-erprobten Captain Planet vorbehalten. Zumindest haben die vier Hamburger jene Weisheit dem Vorgänger ihres aktuellen Albums auf den Titel geschrieben. Was lege näher als sich nun wiederum in Feuchtgebieten zu tummeln und das sich aufgestaute „Inselwissen“ auch aufs Festland zu musizieren?

Abgesehen davon: Auch wenn sich die Lobes-Bekundungen in der massenkompatiblen Musik-Szene auch diesmal leider wohl nicht überschlagen werden, die eindringlichen Punkmusik (mit Anspruch) Marke Captain Planet überzeugt trotzdem. Oder wahrscheinlich auch gerade deshalb. Denn es interessiert ja auch eigentlich nicht die Note ob „Inselwissen“ nun auf einem Major oder einfach nur Unterm Durchschnitt erscheint. Hauptsache es wird veröffentlicht und erfährt nicht das gleiche unbarmherzige Schicksal ach so vieler ambitionierter und auch guter Bands (siehe die brillanten Kurhaus), die aufgrund eines mangelnden Musikverstandes der Dagobert Duck'schen Label-Verantwortlichen nie wirklich eine Chance bekamen.

Bereits „Unterm Pflaster der Strand“, die Debüt-EP der hanseatischen Indie-Punker, bestach 2005 mit kraftvollen Riffs und eingängigen Melodien. Der deutschsprachige Gesang von Frontmann Jan Arne von Twistern geht auch vier Jahre später direkt ins Ohr und darüber hinaus reissen Captain Planet mit ihren spielfreudigen Interpretationen knapp bemessene Genregrenzen ein und toben erneut wie junge Hunde durch rockig-punktiere Akustikfelder. „Inselwissen“ wird mit einem Intro aus wabernder Basslinie, markanter Gitarre und schepperndem Trommelspiel eröffnet bevor dann schließlich von Twistern mit seinen lyrisch-kryptischen Texten die Insel betritt, um seine Mitstreiter noch ein wenig mehr anzutreiben. Alles was man von einem zwar energisch-kontrollierten aber dennoch durchs Ohr fegenden Musikstück erwartet, pusten einem Captain Planet nicht nur in „Walbaby“ oder dem tollen „Blick Durch Den Lattenrost“ ins Genick.

Das knackige Konzept der kontrollierten Punk-Offensive zieht sich auch auf Album Nummer zwei wie ein roter Faden durch seine knapp 30 Minuten Spielzeit und doch klingen die Nordlichter als eine in sich geschlossene Band deren Songs sogar noch etwas mehr Wehrmut und Melancholie als zuvor versprühen. Sich gegenseitig antreibenden Gitarren batteln sich mit von Twisterns Organ um die Wette um Songs wie „Blattsport“, „Hans Dampf“ oder „Vom Fass In Den Regen“ zu leicht düster anmutenden aber auch ebenso erhaben-euphorischen Hymnen aufzubauschen. Dabei ist das neue Songmaterial nicht nur ausschliesslich Energie bepackt, sondern besitzt zusätzlich auch noch diese gewisse Note innere Ruhe, die andere Bands oft so verzweifelt suchen und meist nie finden.

Melancholisch und verzweifelt prahlen Captain Planet mit ihrem "Inselwissen", kitzeln mit druckvoller Leichtigkeit facettenreiche Rocknummern aus miteinander kämpfenden Gitarrenläufen, lassen immer wieder auch mal den Herrn Indie-Pop zu Gehör kommen, um ihn dann nach wenigen Takten mit Vollgas gegen die Wand zu fahren. Der ideale Soundtrack für einen verregneten Herbst: Mit Punk, Herz und Melodie!

Anspieltipps:

  • Hans Dampf
  • Vom Fass In Den Regen
  • Blattsport
  • Blick Durch Den Lattenrost
  • Miniaturwurzelwerke

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