Major Parkinson - Major Parkinson - Cover
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Major Parkinson Major Parkinson


  • Label: Waggle-Daggle Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer erinnert sich noch an Mr. Bungle und Fantomas? Beide Bands gehörten zu den vielen Projekten, die Mike Patton neben und nach dem zwischenzeitlichen Ende der reformierten Faith No More ins Leben rief. Die beiden erstgenannten Bands verschrieben sich dem Art-Rock, bisweilen Avantgarde-Rock, der sich nicht um Songstrukturen oder durchgehende Rhythmik scherte. Wenn man das Ganze mit Queens Of The Stone Age, System Of A Down und Tom Waits mischt, kommt am Ende Major Parkinson raus.

Die norwegische Gruppe kommt aus der Stadt Bergen, die eher bekannt für eine Vielzahl an Black-Metal-Bands ist. Ihr Debüt wurde bereits am 25.08.2008 (absichtlich am Geburtstag des Filmregisseurs Tim Burton, den die Band verehrt) in Norwegen veröffentlicht und platzierte sich auf Platz 11 aller verkauften CDs in ihrem Heimatland im Jahr 2008. Produziert wurde das Album von Silvia Massy, ihres Zeichens Produzentin unter anderem für System Of A Down, Tool, Johnny Cash, und die Red Hot Chili Peppers.

Zuerst einmal fällt natürlich der seltsame Bandname auf. „Major Parkinson“. Laut S. Massy hat der Name aber nichts mit der schweren und immer tödlich verlaufenden Krankheit Parkinson zu tun, sondern ist ein Wortspiel, das sich auf ein Erlebnis der Band bezieht. Demnach wollte die Band auf einem Parkplatz parken, und den letzten, in der Sonne gelegenen Platz schnappte ihnen der Bürgermeister weg. So wurde aus „The Major parks in the sun“ schließlich „Major Parkinson“ . Ob man diese Geschichte als skurrile Namensfindung oder Ammenmärchen einstuft, sollte jeder für sich entscheiden.

Der Silberling erzählt die Geschichte von „Major Parkinson“ und führt den Hörer durch ein Leben, das schon in „Preludium“ mit der Geschichte wie sich seine Eltern kennenlernten, um dann direkt im nächsten Titel „Bicycle“ aufzuzeigen „It was just a short affair“.

Musikalisch zeigen sich die Norweger sehr flexibel. Während „Preludium“ klingt, als ob unter ein Sampling eines Film-Noir-Dialogs eine Jahrmarktsdrehorgelmelodie gelegt wird, startet „Bicycle“ mit eben dieser Melodie. Doch wer nach den ersten 20 Sekunden erwartet, dass es nun ein Schunkelliedchen gibt, wird enttäuscht. Stattdessen muss man genau hinhören, um jeden Rhythmuswechsel, Stilbruch und vor allem Dissonanzen, die in ihrer Addition eine Harmonie ergeben, mitzubekommen. Und alles nur, weil der kleine Major Fahrrad fahren lernen soll und das nicht will…

Immer wieder werden die Melodiebögen aus den vorherigen Songs übernommen, neu zusammengesetzt, gebrochen und teilweise brachial verfremdet. Im Gegensatz dazu steht, dass man bei den eingängigen Refrains mitsingen möchte, da aber im Booklet Texte fehlen und teilweise der Gesang atemberaubend schnell ist, dürfte dies ein annähernd unmögliches Unterfangen sein. „Casanova“ zeigt dann eine ganz neue Seite von Major Parkinson. Ruhig, melodiös, mit an Tom Waits erinnerndem Gesang, schmeichelt sich der Song ins Ohr. Ein angenehmes Ruhekissen, nach den zuvor gehörten Soundeskapaden. Allerdings sei hier gewarnt, dass der Text eine deutliche, beunruhigende Wesensveränderung beim Protagonisten zeigt.

„It´s a job“ zeigt im Anschluss die Bemühungen in Job, Familie und Leben Fuß zu fassen, allerdings mischt sich das ungute Gefühl, dass er scheitern wird. Ska-Rock mit leichten Dissonanzen regt hier das Tanzbein enorm an und wer nicht beim Zuhören mitwippt, sollte dringend mal seinen Puls auf Lebenszeichen überprüfen. Im Anschluss entpuppt sich „Sanity Fair“ als erstaunlich radiotauglicher Song, aber auch hier steckt der Teufel wieder im Detail. Die Gitarre im Hintergrund spielt immer wieder traumwandlerisch sicher einen Halbton an der Musik vorbei und wenn der Gesang kurzzeitig ebenfalls die Spur verliert, klingelt es im Ohr. Sänger Jon Ivar Kolbotn springt in diesem kleinen akustischen Juwel zwischen Serj Tankian, Tom Waits und Brian Molko hin und her und zeigt, dass sein gesangliche Spektrum mindestens so groß wie das seiner Mitstreiter ist.

„Death in the Candystore“ führt den Protagonisten zu der Erkenntnis, dass ihm zum glücklich werden nur das geliebt werden durch andere fehlt und begibt sich bis zum Ende auf die Suche danach. Dabei fällt auf, dass hier die Songs immer radiotauglicher werden, was andeutet, dass Major Parkinson scheinbar zum Ziel kommt, womit auch die Dissonanzen immer seltener werden. „Greatest love“ ist ein überzeugender Abschluss und es verwundert, dass nicht auch noch „All you need is love“ von den Beatles verarbeitet wurde. Stattdessen heißt es „I am the gratest love that you´ll never be, a face in the mirror“.

Offensichtlich ist Major Parkinson auf seiner Suche nach dem Sinn seines Lebens gescheitert, tragisch, aber immerhin bescherte er dem Hörer eine gute Dreiviertelstunde starker Rockmusik, die Radiorockhörern nur eingeschränkt zu empfehlen ist.

Anspieltipps:

  • Bicycle!
  • Meat me in the Disco
  • Sanity Fair
  • Greatest love

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