Bon Jovi - The Circle - Cover
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Bon Jovi The Circle


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die potenzielle Klassikerausbeute war selten so dünn wie auf diesem Album.

Mit der Singleauskopplung „We weren’t born to follow” haben Bon Jovi wieder einen typischen Radio-Rock-Kracher vorgelegt, mit dem sich wunderbar für das neue (inzwischen zehnte) Studioalbum „The Circle” trommeln lässt. Dieses Konzept kennt man bereits aus der Vergangenheit, als Singletitel wie „It's my life“ (aus „Crush“, 2000), „Everyday” (aus „Bounce”, 2002) oder „Have a nice day” (2005) aus dem gleichnamigen Album wochenlang die Playlisten der Radiosender blockierten und mit dem typischen Bon-Jovi-Sound, der nach mehr als 25 Karrierejahren in Sachen Texte und Songaufbau nun mal arg nach Baukastenprinzip klingt, für Klarheit in den Charts sorgten.

„We weren’t born to follow” eröffnet auch das vorliegende Album – und es hätte gewiss keinen Videoclip mit Bildern von US-Präsident Barack Obama gebraucht, um den Song als eine Art verspätete Wahlkampfhymne für den am 4. November 2008 gewählten, 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu entlarven. Dass das Lied zudem wie aus alten Bon-Jovi-Hits zusammengesetzt klingt (remember: „Born to be my baby“), ist aufgrund des Baukastenprinzips der beiden Komponisten Richie Sambora und Jon Bon Jovi – wie schon festgestellt – fast unvermeidlich. Damit vereint allein dieser Track alles, was die verehrte Hörerschaft in Bon-Jovi-Hasser und -Fans trennt.

Doch Bon Jovi „klauen“ nicht nur einmal auf „The Circle“. So sind die Bass-Grooves in „Work for the working man“ ebenso aus dem eigenen 80er-Jahre-Fundus entliehen, wie die Rhythmen in „Bullet“, das sich zudem an „Sympathy for the devil“ von den Rolling Stones bedient und als Kirsche auf der Sahnetorte mit Nu-Rock-Riffs arbeitet. „When we were beautiful“ bedient sich eines eigenartigen U2-Gitarrensounds und kombiniert eine schwache Melodie mit einem drögen „Sha la la, sha la la hey, sha la la“-Refrain und das zusammen mit Country-Singer/Songwriter Billy Falcon geschriebene „Love’s the only rule“ ist selbst für Bon-Jovi-Verhältnisse eine Spur zu cheesy. Endgültig Back to the Roots geht es mit den finalen drei Songs, die das Trio Desmond Child, Richie Sambora und Jon Bon Jovi verfasst hat – allerdings nur auf dem Papier. Denn anstatt kerniger Stadionrocker gibt es nur faden Einheitsrock mit Coldplay-Piano („Fast cars“) und Pathos-Texten („Happy now“) sowie eine halbakustischen Ballade, auf die sich Bon Jovi schon immer gut verstanden, aber auch schon besser hinbekamen als hier („Learn to love“).

Wenn dies das Verständnis von Bon Jovi für einen sich schließenden Kreis ist, dann ist diese Überzeugung auf jeden Fall mutig, aber auch diskussionswürdig. Denn obwohl niemand ernsthaft nach einer Korrektur der erfolgreichen Bon-Jovi-Stilmittel verlangt, ist die potenzielle Klassikerausbeute selten so dünn wie auf diesem Album gewesen, das sich mit Titeln wie „We weren’t born to follow“, „Work for the working man“ oder „Bullet“ betont politisch bzw. gesellschaftskritisch gibt, aber an diesen (eigenen) Ansprüchen mehr oder weniger scheitert.

Anspieltipps:

  • Bullet
  • Learn to love
  • Superman tonight
  • We weren’t born to follow
  • Work for the working man

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