Biffy Clyro - Only Revolutions - Cover
Große Ansicht

Biffy Clyro Only Revolutions


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Trend, der sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat, wird konsequent fortgesetzt.

Noch vor wenigen Jahren gelang Biffy Clyro eine grandiose Synthese aus experimentell und zuweilen gänzlich unmusikalisch anmutenden Geräuschkulissen, brachialen Riffs und – was man in diesem Kontext am wenigsten erwartet – genauso melodiösen wie eingängigen Passagen. Das Resultat war ein bemerkenswert intensives Album namens „Infinity Land“ (2004), das den Vergleich mit Projekten wesentlich namhafterer Interpreten keineswegs scheuen muss. Statt den wohl aussichtslosen Versuch zu unternehmen, diese Referenz mit dem Nachfolger noch einmal zu übertreffen, entschieden sich die Schotten im Jahr 2007 für einen anderen Ansatz: Der auf den bisherigen Alben entwickelte Sound wurde zunächst glattgebürstet und anschließend mit einem ordentlichen Schuss Mainstream aufpoliert. Dem ein oder anderen Hörer war der neue Klang vielleicht schon etwas zu soft, bei „Puzzle“ handelte es sich aber dennoch zweifellos um eine starke und zeitgemäße Platte, an der nicht nur Gerne-Fans viel Freude hatten.

Wohin geht die Reise nun mit „Only Revolutions“? Kurz gesagt: Der Trend, der sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat, wird konsequent fortgesetzt. Auf ihrem fünften Studioalbum verabschieden sich Biffy Clyro endgültig von ihren musikalischen Wurzeln und setzen stattdessen immer mehr auf massenkompatible Kost. Das führt leider dazu, dass ihr neuester Longplayer vor allem das vermissen lässt, was Biffy Clyro immer ausgezeichnet hat: Ihre Individualität. Selbstverständlich werden Fans „ihre“ Band nach wie vor in kürzester Zeit anhand der Stimmen von Simon Neil sowie James und Ben Johnston identifizieren können – diese bleiben aber auch die einzigen echten Alleinstellungsmerkmale auf einem Album, das kaum noch die Handschrift seiner Schöpfer trägt.

Nun ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung natürlich nicht per se schlecht, sondern für eine erfolgreiche und ergiebige Karriere geradezu unabdingbar. Mit „Only Revolutions“ treiben es Biffy Clyro aber dennoch zu weit: Entwicklung ja – doch Weiterentwicklung? In Anbetracht des Umstands, dass sich experimentelle und progressive Musik meist erst aus der Eintönigkeit des vorherrschenden Mainstreams entwickelt, muss die momentane Anbiederung an selbigen wohl eher als Rückschritt verstanden werden. Während „Living Is A Problem Because Everything Dies“, der Opener des Vorgängers, zumindest von Anfang an unmissverständlich klarmachte, dass es sich bei „Puzzle“ um ein echtes Rock-Album handelt, klingt „The Captain“ nach ein paar einleitenden Riffs beinahe nach einem rockigen Radio-Pop-Song.

Auch hier lässt sich selbstverständlich diskutieren, inwiefern einer Band diese Tatsache negativ angelastet werden kann. Doch mal ehrlich: Das Trio versucht sich hier an Dingen, die andere eindeutig besser beherrschen, und führen ihre eigene Daseinsberechtigung damit langsam aber sicher ad absurdum. Natürlich wären Biffy Clyro nicht Biffy Clyro, wenn auf „Only Revolutions“ nicht immer wieder Parallelen zu den starken Momenten vergangener Alben durchscheinen würden. Diese wirken allerdings eher wie notgedrungene Versuche des Selbstplagiats und halten dem direkten Vergleich mit ihren Vorbildern nicht einmal ansatzweise stand. Der härteste Titel des Albums („That Golden Rule“) wirkt immer noch wie eine innovationslose Light-Version von „Infinity Land“ und die ruhigeren Songs („God & Satan“, „Know Your Quarry“) sind ein gutes Stück von der Qualität eines „As Dust Dances“ („Puzzle“) entfernt.

Aufgefüllt wird das Ganze von erschreckend viel Durchschnittskost wie „Born On A Horse“ oder „Mountains“, die zwar immer wieder kurzzeitig die Hoffnung auf Besserung weckt, sich dann aber wenige Takte später doch wieder durch lustlos und erzwungen wirkende Refrains quält. Natürlich müssen die hier dargelegten Kritikpunkte immer in Bezug zu den bisherigen Werken der Schotten betrachtet werden – was Biffy Clyro hier abliefern ist weder schlechte Musik noch Verrat an ihrem angestammten Genre. Eine andere Vorgeschichte würde diese CD sicherlich in einem wesentlich positiveren Licht erscheinen lassen. Doch trotz aller Freude über ein neues Album werden die meisten Fans den um Längen innovativeren Vorgängeralben wohl mehr als nur eine Träne nachweinen.

Anspieltipps:

  • That Golden Rule
  • Bubbles
  • God & Satan
  • Whorses

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
Diskutiere über „Biffy Clyro“
comments powered by Disqus