Gunter Gabriel - Sohn Aus Dem Volk: German Recordings - Cover
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Gunter Gabriel Sohn Aus Dem Volk: German Recordings


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein überraschendes Comebackalbum eines der größten deutschen Kultstars.

Gunter Gabriel (67) gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Musikszene. In seiner langjährigen Karriere war der gebürtige Westfale immer für einen Skandal gut (Gewalt gegen Frauen, Suff und Pöbeleien, vier gescheiterte Ehen, finanzieller Ruin), worüber sich vor allem die Boulevard-Presse freute. Doch auch musikalisch sprach der 120-Kilo-Hüne lange Zeit ein gewichtiges Wörtchen in der deutschen Musikszene mit. Er galt in den 70er Jahren als Aushängeschild der Schlager- und Country-Szene, als er zahlreiche Singlehits in den Charts platzierte („Komm unter meine Decke“, „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“, „Ohne Moos Nichts Los“) und für diverse Kollegen ebensolche komponierte („Wenn du denkst, du denkst“, „Ich trink auf dein Wohl, Marie“).

In den 80er und 90er Jahren spielte Gunter Gabriel keine besondere Rolle mehr in der Musikszene. Neuveröffentlichungen waren Mangelware und verkauften sich im Vergleich zu früher schlecht („Straßenhund“, 1995, „Aus dem Leben gegriffen“, 1999). Erst durch die Alben „Gunterwegs“ (06/2002) und vor allem „Gabriel singt Cash: Das Tennessee-Projekt“ (10/2003) ließ er wieder künstlerisch von sich hören. Gabriel nahm damals im Tonstudio seines (wie Gabriel sagt) Freundes Johnny Cash in Hendersonville, Tennessee eingedeutschte Cash-Songs wie „Solitary man“, „Folsom prison blues“ oder „I walk the line“ auf, die von John Carter Cash produziert wurden. Solche Adaptionen nahm Gabriel bereits in der frühen Phase seiner Karriere vor, als er z.B. Songs von Bob Dylan eindeutschte, doch erstmals wurden diese konzeptionell gebündelt. An dieses Vorhaben knüpft auch „Sohn aus dem Volk: German Recordings“ ungefähr an, mit dem der 67-Jährige sein x-tes Comeback gibt und die Neupositionierung seiner Karriere ins Auge fasst.

Vor zwei Jahren wurde der Barde auf Initiative von Rita Flügge-Timm (Director Artist Department Warner Music) und Werner von Moltke (Verlagsleiter Bauer Media Gruppe) mit der Idee konfrontiert, im Stile des Johnny-Cash-Spätwerks „American Recordings“ ausgesuchte Coverversionen zu interpretieren, denen Gabriel mit seiner markanten Stimme ein neues, ebenso stimmiges Gesicht geben sollte. Um es vorweg zu nehmen, dieses ist dem Sänger auf „Sohn aus dem Volk: German Recordings“ gelungen, auch wenn das meiste Liedgut nicht die zum Teil bedrückende Tiefe und Emotionalität der „American Recordings“ erreicht.

Mit überraschenden Coverversionen von Titeln wie „Like a Hobo“ (Charlie Winston), „Heroes“ (David Bowie), „Blaue Augen“ (Ideal), „Zwei Fragen“ (Klee), „Haus am See“ (Peter Fox) und – Sensation! – „Creep“ (Radiohead), hat Gabriel unter der Regie von Produzent Wolfgang Stach (Bap, Karpatenhund, Guano Apes, Bosse) und mit der Hilfe von ausgezeichneten Musikern wie Tobias Röger (The Wohlstandskinder), Helmut Krumminga (Bap), Martin Wenk (Calexico), Robin Grubert (Sasha) und Christian Neander (Selig) ein durchweg spannendes Album aufgenommen, auf dem besonders die düsteren Songs („Das Lied“, „Schlag, mein Herz“) und die selbstreflektierenden Texte in Stücken wie „Ich geb den Rest für dich“, „Ich bin ein Nichts“ oder „Vor meiner Zeit“ (im Original von Johnny Cash) zu beeindrucken wissen.

Wenn dann noch einfallsreiche Versionen von „Haus am See” im Country- und Bluesgewand und „Ich bin ein Hobo” als Tex-Mex-Nummer erklingen oder die Tobias-Röger-Komposition „Mein Weg“ ganz subtil ein paar „Wind of change“-Harmonien (Scorpions) verwendet, ist der Spaß und die Überraschung über das Comebackalbum eines der größten deutschen Kultstars komplett.

Anspieltipps:

  • 2 Fragen
  • Mein Weg
  • Vor meiner Zeit
  • Ich bin ein Nichts
  • Ich geb den Rest für dich
  • Nie wieder wart’ ich so lang

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