Archive - Controlling Crowds Part IV - Cover
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Archive Controlling Crowds Part IV


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nein. Diese Rezension könnte jetzt abgeschlossen sein. Es wäre vielleicht noch anzufügen, dass Archive eine ehemalige TripHop-Band mit Rockeinschlag sein sollen, die stets die Sänger wechseln, also einem Gorillaz-Guest-Star-Prinzip folgen. Es tut irgendwo weh, diesen Vergleich zu ziehen, denn was Archive hier halbgares Anrichten hat mit der verquerten, aber stets mindestens soliden Arbeit eines Albarn nichts am Hut. Eher verhaspelt man sich wie Muse in unfertigen Ideen, nur dass hier gar kein Funken Genialität hervor scheint und die Band vergessen hat, dass sie auch einmal Rock angewandt haben. Da wird ihre Tetralogie Crowding Clouds so gelobt und erlebt in Musik-B-Ländern wie Griechenland ungeahnte Höhenflüge und dann kommt ein unfertiges Finale, dass einen die vorigen Teile gar nicht erst anhören lassen will, wenn man diese noch nicht kennt.

Aber beginnen wir am Anfang der Tragödie: Eine Wall of Sound wird versprochen und dabei ist der Opener „Pills“ ein „Uprising“, nur ohne Hookline, die im Ohr bleiben will. Es baut sich vier Minuten lang etwas auf, doch was dieses Etwas ist, kann niemand so wirklich sagen. Danach kommt plötzlich eine allein stehende HipHop-Nummer, die die Wände zumindest ein wenig zittern lässt und dann aber lauter Synthie-Gefühlshymnen Platz macht, welche allesamt aus den Neunzigern stammen könnten, so altbacken klingen die Arrangements. Nur hier und da klingt es wirklich schön, wie in „Remove“, bis dann pseudo-psychedelische Klänge dem ganzen einen Konzeptanstrich verleihen sollen.

Nur einmal denkt man wirklich, sich mit einem Konzeptalbum auseinanderzusetzen. Von „The Feeling Of Losing Anything“ bis „To The End“ hat man einen Dreiteiler vor sich, der eigentlich nur mit ruhigen Pianoklängen überzeugt. Alles, was sich der Elektronik bedient, klingt uninspiriert und allein das Natürliche kommt den wirklich schönen Stimmen der Sänger nahe. Problematisch ist nur, dass die ganzen ruhigen Nummern sich nicht voneinander abheben und so entsteht ein Kreis, aus dem die Band nicht wirklich ausbricht. Für Hintergrundgedudel ist das ganz okay und es wäre nicht gerechtfertigt, eine schöne Ballade wie „To The End“ schlecht zu reden, denn das ist beinahe Coldplay-Niveau. Nur das Gesamtbild wirkt ein wenig blass.

Verstrickt in eigenen Ansprüchen der Vergangenheit und Gemütsschwankungen des Jetzt entsteht eine Balladensammlung, die immer wieder verkrampft innovativ klingen möchte. Dieser Cocktail geht nicht auf und es bleibt dem Hörer nichts Anderes übrig, als sich Rosinen herauszupicken, die am Stück zu gleich klingen, allein stehend beinahe schon Perlen sind. Klingt polarisierend. Ist es auch. Alles in allem sollte man sich einfach das alte Postal-Service-Abum zulegen, denn dort findet eine viel bessere Symbiose statt. Archive haben lediglich ein Mahl zu Stande bekommen, das der berühmten Phrase nicht Fisch und nicht Fleisch ganz und gar gerecht wird.

Anspieltipps:

  • To The End
  • The Feeling Of Losing Everything
  • Remove

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