Nile - Those Whom The Gods Detest - Cover
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Nile Those Whom The Gods Detest


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Those Whom The Gods Detest“ hält den Hörer wie eine gut gesicherte Pyramide mit ausreichend Falltüren, Abzweigungen und technischen Spielereien auf Trab.

Seit mehr als 15 Jahren ist Nile ein Thema von Spezialisten für Spezialisten. Gründer, Sänger und Gitarrist Karl Sanders ist schließlich begeisterter Hobby-Ägyptologe und gibt diese Faszination ungebrochen und einzigartig an den interessierten Hörer in technisch eindrucksvoller Todesblei-Manier weiter. Nachdem mit der vierten Langrille „Annihilation of the wicked“ (05/2005) neben Papyrusrollen, Mumien und Pharaonen zusätzlich der kommerzielle Erfolg Einzug hielt und der nächste Output „Ithyphallic“ (07/2007) unter die Fittiche des Metal-Majorlabels Nuclear Blast genommen wurde, scheint nicht nur in Ägypten Interesse an der geschichtsträchtigen Formation zu bestehen. Gemeinsam mit Dallas Toler-Wade (Gesang, Gitarre) und George Kollias (Schlagzeug) hat Sanders nun den sechsten Death Metal-Obelisken „Those whom the gods detest“ geformt und wie nicht anders zu erwarten ganze Arbeit geleistet.

Dabei wird das Rezept für eine neue Nile-Platte seit Jahren nur um ein paar Parameter verschoben, sodass die altägyptischen Einflüsse erneut einen Schritt zurück treten um der gnadenlos vor sich hin preschenden Zerstörungswut des Dreiers mehr Raum zu geben und um deren technischen Aspekt stimmiger zu präsentieren anstatt willkürlich traditionelle Musik aus der Zeit der Pharaonen in den Kontext zu pressen. In diesem Sinne beginnt „Kafir!“ mit einer kurzen, atmosphärischen Einleitung, die jedoch schon nach einer halben Minute von Gitarre, Bass und Schlagzeug in ihre Einzelteile zerlegt wird. Danach folgen Nile in den nächsten Tracks einem schwer durchschaubaren und gerade deswegen spannend bleibenden Baukastenprinzip aus heftigen Todesblei-Attacken, unterschiedlich langen, ruhigen Passagen, denen meist eine brutale Eruption folgt, die in loszischende Riff-Doublebass-Kaskaden mündet, nur um auf den letzten Metern erneut das Tempo zu drosseln um anschließend im Höllentempo über die Zielgerade zu preschen.

Wer jetzt allerdings denkt, dass dieses Auf und Ab die Kompositionen schnell abnutzt, der hat die Rechnung ohne Sanders & Co. gemacht, denn selbst ein träger, schleppender Song wie „4th Arra of Dagon“ schafft es in einem unbeachteten Moment seinen Stachel auszufahren und wie ein Skorpion in der Wüste sein Opfer zu betäuben um ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Nein, „Those whom the gods detest“ hält den Hörer wie eine gut gesicherte Pyramide mit ausreichend Falltüren, Abzweigungen und technischen Spielereien auf Trab, sodass es nur verständlich ist, dass das Instrumental „Yezd desert ghul ritual in the abandoned towers of silence” mehr Pflichtgefühl transportiert denn wirklich begeistert und „Kem Khafa Kheshef“ und „The eye of Ra“ kurz vor Schluss nicht mehr zu bieten haben als einem aus den Boxen direkt in die Fresse zu springen und mit durchgeschnittenen Bremsschläuchen am Albumender „Iskander D´hul Karnon“ zerschellen zu lassen. Doch das ist eigentlich nur ein fehlender Lehmziegel in der ansonsten imposanten Pyramide und das sechste Mumieneisen nicht weniger als Stagnation auf Halbgötter-Niveau.

Anspieltipps:

  • Kem Khefa Kheshef
  • Hittite Dung Incantation
  • Those Whom The Gods Detest
  • Permitting The Noble Dead To Descend To The Underworld

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