Ich+Ich - Gute Reise - Cover
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Ich+Ich Gute Reise


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Duo Ich+Ich ist zu einer sehr erfolgreichen festen Größe in der deutschsprachigen Musikszene geworden. Das nun dritte Album bleibt bei dem Konzept der Vorgänger: Bedeutungsschwangere Texte, die ab und an nah am Metaphern-GAU entlang streifen kombiniert mit meist sanfter Musik, die der gute Sänger Adel Tawil gekonnt und mit viel Gefühl vorträgt.

Den Nerv der Hörer trafen Sänger Tawil und Komponistin Humpe mit der ersten Single „Pflaster“, die so tröstend wie eingängig daherkommt. Das ist aber schon einer der Songs, die zu den guten Popsongs auf dieser Scheibe gehören: Ziemlich flott, mit „Laut-Leise“-Wechsel gefällt dieser schon nach einmaligem Hören. Es gibt diesmal einige Tracks, die von Schlagzeug und Gitarren angetrieben werden, aber nie so, dass es zu laut wird. Die beiden von Humpe vorgetragenen Songs „Die Lebenden und die Toten“ und „Danke“ gehören leider zu den schlechtesten: Nicht nur, dass die dünne Stimme von Humpe nicht reicht, um einen Track zu tragen, auch die Texte lassen einen verzweifeln: Der erste langweilt mit pseudo-dramatischen Text ohne Sinn, der schön mit Geigen zugekleistert wird, und auch dem geneigten Fan nicht gefallen kann. Am schlimmsten klingt aber „Danke“: Da möchte Humpe allen Kassiererinnen, Ärzten und Busfahrern ein Denkmal setzen, doch so viel Großmut verursacht einem schnell Übelkeit.

Bei „Hallo Hallo“ schnappt sich Tawil, wie lobenswerterweise auch bei allen anderen Songs, das Mikro und diese „Warum ruft mich keiner an“-Nummer wird fast schon witzig und mit Ehrlichkeit vorgetragen. „Alleine tanzen“ soll dann wohl allen Einsamen Mut machen und gehört auch zu den positiven Hörerlebnissen. Wenn man die Texte ausklammert, die sich in einigen Fällen hart an der Grenze zur Plattheit bewegen, bleibt musikalisch auch nicht viel Aufregendes, weil die Abwechslung bei Tawil/Humpe bedeutet, dass sie im ersten Teil der CD etwas schnellere Songs reichen und dann fast nur noch sanfte Pop-Balladen in Serie produzieren.

Das scheint die Erfolgsgarantie des Duos zu sein: Sie wollen hitverdächtige Singles schaffen, die aber auf Albumlänge schwer erträglich und absolut durchschnittlich klingen. Ihrem Charterfolg wird das wohl nicht schmälern, denn sie scheinen eine emotionale Nische gefunden zu haben, die vielen Hörern und Käufern gefällt.

Anspieltipps:

  • Pflaster
  • Hallo Hallo
  • Alleine tanzen

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