Devin Townsend Project - Addicted - Cover
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Devin Townsend Project Addicted


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Devin Townsend kehrt mit Teil zwei seines Suchtverarbeitungsprogramms zurück. Der Titel lässt da keine Zweifel aufkommen. Das Konzept stand von Beginn an fest. Vier Teile sollten es werden mit jeweils unterschiedlichen Ausrichtungen. „Ki“, der erste Teil, war eine für Townsend sehr ruhige Musik, die ihre Wut nahezu ständig unterdrückte und in der textlichen Schicht einige seiner Süchte preisgegeben hat, von denen sich der Kanadier losgelöst hat. Kaffee-, Drogen- und Pornokonsum, um einige zu nennen.

Der Pfad der Metalmusik wird wieder beschritten, wenn auch deutlich lockerer, melodischer und gestopft mit positiver Energie. Tja, wieder mal nix für die Strapping Young Lad Fanatiker, aber für Freunde der Devin Townsend Band. Die Musik erinnert an „Accelerated Evolution“, aber mit simpleren, eingängigen Riffs. Um ehrlich zu sein drängt sich geradezu der Begriff Metal-Pop auf, so komisch das auch klingen mag. Hauptursache hierfür ist die Gesangsunterstützung von Anneke van Giersbergen, der ehemaligen The Gathering Sängerin. Die restlichen Sessionmusiker dieses Albums belegen ebenso die Nähe zu „Accelerated Evolution“, weil sowohl Brain Waddel (diesmal am Bass) als auch Ryan van Poederooyen (Schlagzeug) auf besagtem Album gespielt haben. Neu hinzu gekommen ist noch Mark Cimino an der Gitarre.

In den ersten beiden Tracks klingt noch alles fast Townsend-typisch, noch keine großen Spuren von Giersbergen. Doch mit „Bend It Like Bender“ wird das Bild ordentlich umgekrempelt. Ein seltsamer Elektro-Beat transferiert es in einen Metal-Techno-Stampfer mit Popappeal dank des Refrains von Anneke. Echt kuriose Nummer, die so abgedreht ist, das sie fast schon wieder gut ist. Besonders der Mittelteil des Albums stellt die Eingängigkeit unter Beweis. Lieder wie „Supercrush!“ haben eine perfekte Ballance zwischen anspruchsvoll und melodisch. Townsend spielt des Öfteren gerne mit elektronischen Klängen und Beats, die immer wieder für Verwunderung sorgen, hat man sie einmal entdeckt. Textlich gibt es viele Verweise zwischen den Songs und ihren Titeln, auffällig ist die selbe Anfangszeile zu Beginn und Ende des Albums.

Die angebliche Simplizität der Songs wird durch kurze Titel und vor allem Ausrufezeichen untermauert. Ausrufezeichen sind unterschätzt! Nehmen wir „Ih-Ah!“, der Titel ist verdammt kurz und hört sich ein wenig stupide an, dahinter verbirgt sich die einzige Ballade des Albums. Oder „Awake!!“, das hat sogar zwei Ausrufezeichen, wahrscheinlich weil es als einziges fast die 10-Minuten-Marke ankratzt, wobei die letzten vier Minuten lediglich ein langsames ausklingen darstellen. Ausrufezeichen sind erörtert, kommen wir zu den Titeln selbst. „Hyperdrive!“ kommt einem sehr bekannt vor, klar, denn theoretisch hat sich nichts an dem Titel von „Ziltoid – The Omniscient“ geändert, aber praktisch lässt uns Anneke erkennen, wie melodisch der Song eigentlich ist. Funktioniert bestens in dieser Version. Dieser Ziltoid meets Anneke Stil begegnet uns auch auf „Numbered“, eine Art Fusion zwischen gut und böse, soft und hart. „The Way Home“ greift auf einige Motive von „Deadhead“ zurück, eins der besten Stücke des Kanadiers von, wie könnte es anders sein, „Accelerated Evolution“.

Der gute Devin meint Addicted wäre „total simpel: zehn schnörkellose, rockende Songs“. Interessant nur, dass bereits beim ersten Lied so viele überlagerte Layer zu hören sind, ein so dichtes Klanggestrüpp, dass man sich fragen muss was für ihn in diesem Fall verschnörkelt und komplex sein muss. Nee, nee – simpel ist eher ein Fremdwort für diesen Mann. Genau das ist aber auch das Problem der Platte. Sie möchte simpel und eingängig klingen, ist aber überfrachtet mit zu vielen Schichten, die durch eine zu dichte Atmosphäre die eigentliche Absicht verhindern. Das Wort überproduziert bringt es auf den Punkt. Wenn man es anders betrachtet, ist es der typische Devinsche Wahnsinn, nur mit gute Laune Effekt.

Anspieltipps:

  • Addicted!
  • Supercrush!
  • Hyperdrive!
  • Numbered!

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