Something A La Mode - Something A La Mode - Cover
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Something A La Mode Something A La Mode


  • Label: Yellow Productions/Rough Trade
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Something à la mode“ – die Bezeichnung dürfte im in seine Muttersprache vernarrten Frankreich mindestens so seltsam wirken wie der Ausdruck „Something in Mode“ auf der hiesigen Seite des Rheins. Und doch hätten Thomas Roussel und Yannick Grandjean kaum einen treffenderen Namen für ihr 2006 entstandenes Projekt SomethingALaMode (kurz: SALM) finden können. Auf ihrem gleichnamigen Erstling geben die beiden nur wenig auf herkömmliche Konventionen und Genre-Grenzen und legen stattdessen nur einen einzigen Maßstab an: ihren eigenen. Und der Erfolg gibt ihnen Recht! Schon als Demo-Version avancierte ihre Musik zum Soundtrack der Chanel-Kollektion „Paris-Venice“ und war in sämtlichen Filialen zu hören. Selbst der legendäre Modeschöpfer Karl Lagerfeld war schlichtweg begeistert und drängte auf ein Treffen mit den Musikern – in einigen Passagen der Album-Version von „Rondo Parisiano“ ist nun auch seine Stimme zu hören. Doch auch das weniger exklusive Publikum konnte sich bereits auf diversen Veranstaltungen von der Kreativität und der technischen Versiertheit des Duos überzeugen.

Was macht also dieses Album aus? Thomas (Violine) und Yannick (Cello) teilen nicht nur ihre Begeisterung für klassische Musik, sie fühlen sich gleichermaßen in den großen elektronischen Clubs Frankreichs beheimatet. Zwei Musikrichtungen aus zwei Welten – auf der einen Seite der meist ältere und kultivierte Liebhaber von Schubert und Strawinski, auf der anderen die jugendlichen Verehrer von Laurent Garnier und Daft Punkt. An Werktagen Musikschule und Orchester, an Wochenenden wilde Partynächte. Die beiden machten sich auf diese Gegensätze aufzulösen – und erschufen eine bemerkenswerte Synthese… „SALM“ ist dabei keineswegs ein reines Remix-Album, dass bekannte klassische Musik mit Techno-Beats unterlegt. Dank beachtlicher Erfahrungen mit klassischen Kompositionen und einer erstklassigen Ausbildung am Musikkonservatorium in Paris beinhaltet das Album höchstens Anspielungen („Schubert A La Mode“) anstatt von Plagiaten. Ein Großteil der Melodien stammt ohnehin aus der Feder von Roussel und Grandjean.

Entscheidend für die Qualität der CD ist – neben der äußerst innovativen Grundidee – die Vielzahl der Ansätze, mit denen dieses Konzept umgesetzt wird. Mal werden elektrolastige Songs von Streichern untermalt und bestechen durch stimmige Samples, an anderer Stelle nehmen Synthesizer die Rolle des Begleitinstruments ein und akzentuieren lediglich mit viel Feingefühl arrangierte Partituren. Auf „5AM“ verschmelzen beide Einflüsse zu einem homogenen Beat und rücken die Vocals von K. Flay in den Vordergrund. Glücklicherweise machen SomethingALaMode nicht den Fehler, ihr Album mit derartigen Gastfeatures zu überladen – die meisten Lieder sind reine Instrumentalstücke und geben keinerlei Anlass, eine Gesangsstimme zu vermissen. Bei einer Gesamtzahl von 12 Tracks befindet sich auf „SALM“ kein einziger schwacher Titel, selbst nach einzelnen misslungenen oder überflüssigen Passagen sucht der Hörer vergeblich.

Bemerkenswert ist mit „Dies Irae“ der Abschluss des Albums: In einer Klangkulisse aus Streichern und kaum wahrnehmbaren elektronischen Einflüssen entwickelt sich beim Hörer in kürzester Zeit ein intensives melancholisches Gefühl – und just in dem Moment, als er beginnt sich in diese traurig-schönen Melodien zu verlieben setzt ein gewaltiger Beat ein und macht eben jene Stimmung abrupt zunichte. In knapp 5 Minuten offenbart sich hier ein Charakteristikum des anhaltenden Aufstiegs elektronischer Musik: Während sie einerseits den Klang als solchen mit ihren schier unendlichen Möglichkeiten erheblich bereichert, dringt in vielen Fällen immer weniger tatsächlich zum Hörer durch. Ähnlich wie in Filmen, deren brillante Optik den Protagonisten selbst kaum Raum für tiefgründige Charakter-Zeichnungen lässt, verliert derartige Musik häufig ihre Seele. In beiden Fällen wird man zwar trotz allem glänzend unterhalten, verfällt aber auch ein kleines Stückchen mehr der Schnelllebigkeit und Emotionslosigkeit unserer modernen Unterhaltungsindustrie – zu einem wirklich großen Kunstwerk braucht es mehr als das.

Es bleibt allerdings auch der einzige derartige Ausrutscher der CD und kann mit viel Wohlwollen sogar als bewusst gewählter Schlusstrack angesehen werden; schließlich muss der Hörer früher oder später auch wieder von diesem Album loskommen und sich anderen Aufgaben widmen. Die zuvor vergangenen gut 50 Minuten haben immerhin selbst höchste Erwartungen erfüllt und wohl auch sämtliche Zweifel an der Machbarkeit oder am Sinn der Idee von SomethingALaMode beseitigt. Eines der stärksten Debüts des Jahres und eine Bereicherung für jede Plattensammlung!

Anspieltipps:

  • Rondo Parisiano
  • 5AM
  • Schubert A La Mode
  • Romance In B-Minor
  • Dies Irae

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