Nirvana 2002 - Recordings 89-91 - Cover
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Nirvana 2002 Recordings 89-91


  • Label: Relapse Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Alle feiern das 20-jährige Jubiläum des Nirvana-Debüts „Bleach“ (06/1989). Neben einer obligatorisch aufpolierten Deluxe Edition des Grunge-Klassikers mit zusätzlichen Live-Aufnahmen und den Originalsongs im Remaster-Gewand gesellt sich außerdem noch der legendäre Konzertmitschnitt vom 30. August 1992 beim Reading Festival zum Geburtstagskuchen, wo Kurt Cobain im Rollstuhl und Krankenhausoutfit auf die Bühne fährt um den Kritikern Hohn und Spott entgegen zu werfen. Für den begeisterten Musikfan gibt es aber noch eine weitere, äußerst interessante Veröffentlichung, die zwar täuschend ähnlich nach den allseits bekannten Grunge-Heroen klingt, aber stilistisch in eine vollkommen andere Richtung ausschlägt. Die Rede ist von der schwedischen Death-Metal-Truppe Nirvana 2002.

Wer sich über die seltsame Namensgleichheit wundert, dem kann schnell Abhilfe geschaffen werden: Orvar Säfström (Gesang, Gitarre), Lars Henriksson (Bass) und Eric Qvick (Schlagzeug) haben ihren ersten Bandnamen Prophet 2002 kurz nach der Gründung 1988 für Nirvana über Bord geworfen, mussten aber im selben Jahr mit dem Release der Single „Love buzz / Big cheese“ feststellen, dass das Label Sub Pop schon eine Gruppe mit dieser Kennzeichnung unter Vertrag hatte und hängten eben der Einfachheit halber erneut 2002 hinten dran, ohne zu wissen welche Relevanz dieser Name in der Popkultur bekommen würde. In der schwedischen Metalszene hinterließ der Dreier aber dennoch eine bemerkenswerte Duftnote, obwohl nie ein einziger Longplayer veröffentlicht wurde und sich der spätere Entombed-Sänger Säfström mit seinen zwei Kollegen lediglich auf vier Demos und einer Split-EP bemerkbar gemacht hatte.

Die nun erhältliche Zusammenstellung „Recordings 89 – 91“ gibt über das überschaubare Vermächtnis der Band einen gelungenen Einblick und zerstreut Bedenken über die Relevanz dieser Veröffentlichung allein beim ersten Hördurchgang. Klar, der Schwedentod war Anfang der 90er noch in den Kinderschuhen und viele (heutzutage als wegweisend angesehene) Gruppierungen experimentierten noch stark an ihren Kompositionen herum, doch Nirvana 2002 dürfte zu dieser Zeit der Knopf aufgegangen sein. Songs wie „Mourning“, „Slumber“, „The awakening of...“, „Snake“ oder „In fell tongues“ zelebrieren Zutaten wie rohe Aggression, peitschende Drums und eine Mitten-in-die-Fresse-Attitüde beinahe in Perfektion und sind selbst zwei Dekaden später spannend und energisch, sodass die Scheibe nicht nur Genrehistorikern zu empfehlen ist.

Der einzige und leider sehr stark ins Gewicht fallende Minuspunkt ist die fehlende Quantität und Qualität und damit sind nicht die Songs an sich gemeint, sondern ihre Abmischung. Wäre es schließlich noch zu verschmerzen gewesen, dass „The awakening of...“ gleich drei Mal und „Mourning“, „Slumber“ und „Zombiefication“ doppelt vertreten sind, so ist gerade das Proberaummaterial „Porta Recordings“ mit immerhin vier originären Songs in einer dermaßen schlechten Verfassung, dass bei diesen scheinbar mit einem Fisher Price-Kinderkassettenrekorder aufgenommenen Tracks nicht mehr als abgrundtiefes Geröchel und Gepolter zu vernehmen ist, wodurch jedwede Bewertung unmöglich gemacht wird. Somit bleiben am Schluss sechs Songs, die den in eingeschworenen Kreisen legendären Status der vier Jahre aktiven Band untermauern und neun weitere, die lediglich einem Zweck dienen: Nirvana 2002 das Gefühl gegeben zu haben, endlich einen Longplayer in der Diskographie anführen zu können.

Anspieltipps:

  • Mourning
  • Snake (Promo 91)
  • Slumber (Disembodied Spirits 2009 Remix)
  • The Awakening Of... (Disembodied Spirits 2009 Remix)

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