Echo & The Bunnymen - The Fountain - Cover
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Echo & The Bunnymen The Fountain


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album beraubt sich selbst an Substanz.

Was wäre passiert, wenn Reamonn nicht vergessen hätten, wie man behutsam rockt? Sie hätten auch ohne Pop zum Optimismus gefunden und aufmunternde Worte gefunden, aber da sie es nicht geschafft haben, müssen halt alte Recken wie Echo & The Bunnymen zuschlagen und mithilfe des Wave für die Heilung sorgen, für welche sonst The Cure zuständig ist. Die Frage allein ist, ob die Herren sich dazu in der Lage sehen. Irgendwo zwischen Reamonn und David Bowie versuchen sie sich dann und lassen die Gitarren so wolkenleicht wie möglich erklingen, um den Hörer mit „The Fountain“ für sich zu gewinnen.

Die Schlacht um den Thron der großen Rockbands der sanften Sorte können The Bunnymen nicht so einfach für sich entscheiden. Zwar können sie Reamonn locker abschütteln und Bowie klingt immer gut im Ohr, wie sie ihn anwenden, aber der Klang ist einfach nicht so ausbalanciert und zeitgemäß, wie ihn zum Beispiel Snow Patrol zum Ausdruck bringen. Um es in Worte zu fassen, schaut man sich einfach die musikalische Palette der Truppen im Vergleich an. Zugegeben war die Winterpatrouille mit ihrem letzten Album recht ruhig, doch sie waren abwechslungsreich und trafen den richtigen Nerv im richtigen Moment. „The Fountain“ brauch hingegen bis zum vierten Track, um sich zu entwickeln.

Nicht falsch verstehen: die ersten Lieder sind erfreulich angenehm im Ohr und enttäuschen keinesfalls. Allerdings klingen „Think I Need It To“ und „Forgotten Fields“ wirklich verdächtig gleich und auch „Do You Know Who I Am?“ kann sich nur indirekt den Himmelgitarren in der immer gleichen Melodie entziehen. Es scheint, als wollten Karnickelmänner etwas ganz Bestimmtes aussagen und in der ewig gleichen Nachricht verbirgt sich auf die immer gleiche Melodie. Oder andersherum? Letzten Endes unerheblich, da das Album sich selbst an Substanz beraubt. Der Ausflug Richtung U2 und Reamonn-Pop in den folgenden zwei Stücken bringt dann etwas Abwechslung, ohne sich wirklich zu Bewegung und die Wave-Wurzeln der Band streifen in „Life of 1,000 Crimes“ nur knapp an der großen Peinlichkeit vorbei.

Aber was wäre eine solche Band, die nicht noch ein paar geniale Momente hat? Nicht mehr so großartig wie früher und mal ganz im Ernst: das sind sie auch nicht mehr und trotzdem gelingen ihnen noch Perlen, wie der mehr als gelungene Titeltrack „The Fountain“. Danach verfällt man wieder in die Anfangsidee des Albums, bevor die fast schon verbotene Kopie Reamonns in Form von „Drivetime“ erklingt. Das geht nun wirklich nicht. Charterfolg hin oder her, man muss doch auch Eigeninitiative zeigen. Auch wenn Bunnymen die ältere Fraktion sind, gelten sie hier doch als Nachahmer. Da hilft ein Piano-Outro auch nicht weiter. Die Abschlussballade wirkt da schon besser und eigenständiger. Ein wenig sehr berechnend natürlich, doch immerhin wird hier wieder der Nerv getroffen.

„The Fountain“ entpuppt sich als Stolperstein, denn die Platte liegt irgendwo zwischen Nachahme, zeitungemäß und doch bezaubernd. Am Ende reicht es nur für einen unscheinbaren Mittelfeldplatz. Da helfen auch nicht die besten und löblichsten Konzeptentwürfe. Am Ende rockt das Album zu sehr in drei Melodien, ohne sich auf das dünnere Eis zu wagen oder zumindest die feste Bank umzustrukturieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das trifft auf dieses Sicherheitsalbum durchaus zu.

Anspieltipps:

  • Forgotten Fields
  • Do You Know Who I Am?
  • The Fountain

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