Eschenbach - Eschenbach - Cover
Große Ansicht

Eschenbach Eschenbach


  • Label: 3R Entertainment/Tonpool
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
8.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Seit vier Jahren geistert Phillip Eschenbach (Gitarre, Bass, Elektronik) schon in der deutschen Musiklandschaft umher und kann nun endlich mit dem Debüt „Eschenbach“ seine Kompositionen der breiten Masse zugänglich machen. Anfänglich gemeinsam mit Ben Tewaag unter dem Namen Ultima Ratio Regis gegründet, konnten nach einigen Gigs mit Größen wie Dog Eat Dog oder Pro-Pain erste Erfolge gefeiert und eine Fanbase aufgebaut werden. Doch erst nach einer massiven Umstrukturierung wurden mit Riitchy Schwarz (Gesang) und Nils Berger (Schlagzeug) weitere Aktivitäten wie z.B. ein Plattenvertrag in Angriff genommen. Als Produzent verpflichtete man niemand geringeren als den ehemaligen Böhse Onkelz-Cheftexter Stephan Weidner und konnte somit mühelos Freunde deutscher Rockmusik der endgültigen Veröffentlichung entgegenfiebern lassen.

Wie es dann so Sitte ist bei einem heißersehnten Erstlingswerk, klotzen Eschenbach beim zweiminütigen Intro nicht, sondern kleckern mit unheilvoll-dröhnenden Paukenschlägen, Synthie-Orchester und stolzen Trompetenklängen. Erst „Zwischen Schuld und Sühne“ und „Schwarze Löcher“ führen den Hörer in das Gedankenkonstrukt der Deutschrocker ein, das durch Midtempo-Riffing und dunkle Atmosphäre anprangernd, kritisch und bissig sein will, an den richtigen Stellen aber kalte Füße bekommt und geradezu zurückhaltend seinen Weg geht. Im Vergleich zu der expliziten Vorstellung eines Herrn Wirtz, der mit seiner zweiten Platte „Erdling“ (10/2009) kein Blatt vor dem Mund nimmt und gerade deswegen eine charmante Authentizität versprüht, sind beide Songs in ihrer Wirkung weder nachhaltig noch fesselnd. Glücklicherweise gibt sich der Dreier mit „Allein“ und „Russisch Roulette“ etwas offener und geht wesentlich aufgekratzter ans Werk, doch nach kurzem Balladengeplänkel („Reise zur Sonne“) schafft es „Mach´s gut“ trotz harter Riffs nicht zu beeindrucken, da alles einfach viel zu konstruiert klingt.

„Selbstmedikation“ macht dafür im Anschluss alles richtig und lässt mit schleppend-düsterer Schlagseite wieder aufhorchen und steigert sich zu einem richtigen Höhepunkt, während „Frag dich selbst“ mit Gastauftritten der Sängerinnen Yen und Nina C. Alice einen seltsamen Beigeschmack hinterlässt, da die Idee eines weiblichen Features schlichtweg fehl am Platz wirkt. Bevor in „Warum nur?“ die Amokläufe der letzten Zeit textlich grundsolide verarbeitet werden und „Blick in den Spiegel“ einen nachdenklichen Schlusspunkt setzt, streifen Eschenbach mit „Nachtlicht“ und „Halt aus“ nur durchschnittliches Terrain und beweisen einmal mehr, dass es nicht reicht eine gute Idee lautstark in Szene zu setzen, wenn man mit seinen Songs eine Botschaft vermitteln oder anderweitig zum Hörer durchdringen will. Das heißt zwar nicht, dass das Debüt des Dreiers eine komplette Niete wäre, aber gemessen an der Vielfalt der deutschen Rocklandschaft sollten sie sich warm anziehen um in Zukunft nicht überrollt zu werden, denn auf Dauer wird ein Mentor wie Weidner nicht genügen um für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Anspieltipps:

  • Allein
  • Selbstmedikation
  • Russisch Roulette
  • Blick in den Spiegel

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7.5/10

Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)
  • 2019    
Diskutiere über „Eschenbach“
comments powered by Disqus