David Garrett - Classic Romance - Cover
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David Garrett Classic Romance


  • Label: DEAG Music/WEA
  • Laufzeit: 61 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Classic Romance“ erfüllt als Einführung in die Welt der Klassik sicherlich seinen Zweck, eine neue Erfahrung wird der jahrelange E-Musikfan hier allerdings nicht finden.

Auch wenn der über dem Booklet befindliche Fanartikel-Flyer mit T-Shirts, Notizblock oder Taschenspiegel in Schwarz/Gold-Prunk oder sattem Violett etwas anderes verspricht, David Garrett ist ein Gentleman der alten Schule. Bei seinen Auftritten lächelt er charmant, erstickt jegliche Zweifel mit kurzen Kostproben seiner Fingerfertigkeiten, gibt sich aber dennoch zurückhaltend und die triumphierende Mimik und Gestik bleibt auf erträglichem Niveau, sodass weder Jung noch Alt etwas an dem 28jährigen Posterboy der Klassik auszusetzen haben. Auftritte bei „Wetten, dass..?“ oder anderen TV-Shows, die entweder in einen Guiness Weltrekord gipfeln oder als simple Promotour getarnt sind, gehören ebenso dazu wie ein Konzert im Berliner Tempodrom (einen Eindruck davon gibt der Mitschnitt „Live: In concert and in private“ vom Oktober diesen Jahres), wo der violinspielende Pferdeschwanz das Publikum mit einem reichhaltigen Potpourri aus zeitgenössischer Popmusik und ausgewählten, klassischen Stücken der letzten Jahrhunderte verzaubert.

Und fürwahr! Ein gewisser Unterhaltungswert kann dem Geigenspiel des Mr. Garrett nicht abgesprochen werden, auch wenn nicht jedes Stück in der Hand des Aacheners von gleichermaßen viel Herzblut durchzogen ist wie seine Version von „He´s a pirate“ (das Hauptthema der „Fluch der Karibik“-Filmreihe) oder die Neuinterpretation von Jacksons „Smooth criminal“, da sich die professionellen Fähigkeiten des Deutschen meist auf Schnelligkeit bzw. außergewöhnliche Performance stützen denn auf nuanciertes Feingefühl oder filigrane Details Rücksicht zu nehmen. Nach seinen Gold- („Virtuoso“ - 11/2007) bzw. Platin-veredelten („Encore“ – 10/2008) Veröffentlichungen scheinen derartige Makel ohnehin nicht von Belang zu sein, sodass selbst die seelenlose Begleitband der bisherigen Alben in Kauf genommen wird. Hauptsache David erhebt seinen Geigenbogen und spielt eine seiner liebsten Weisen.

Auf dem neuesten Longplayer „Classic romance“ wird dieses Konzept sogar rein auf die klassische Komponente beschränkt. „Nach zwei Crossover-Alben eine wichtige Entscheidung“, wie Garrett selbst anmerkt, denn die Idee hinter seiner Person, Klassik mit Moderne zu verschmelzen, soll sich schließlich nicht abnutzen. So gibt es dann Gefühlvolles („Meditation“ von Massenet, „Serenade“ von Schubert, „Salut d´amour“ von Elgar), Feuriges (Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen 1-3“) oder von schwelgerischen Tönen getragene Anmut („Vocalise“ von Rachmaninoff, Mendelssohns „Violinkonzerte 1-3“). Der Deutsche unterstreicht mit dieser Zusammenstellung zwar sein außergewöhnliches Talent und formuliert auf seiner Stradivari einige herausragende Momente, doch gesamt betrachtet fehlt oftmals der Spielwitz und der Sprung von der moderaten Oberflächlichkeit in eine Darbietung, der hingebungsvoll und mit Tränen in den Augen gelauscht wird. „Classic romance“ erfüllt als Einführung in die Welt der Klassik sicherlich seinen Zweck, eine neue Erfahrung wird der jahrelange E-Musikfan hier allerdings nicht finden.

Anspieltipps:

  • Vocalise
  • Humoresque
  • Mendelssohn Violin Concerto 2

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