Tori Amos - Midwinter Graces - Cover
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Tori Amos Midwinter Graces


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Midwinter Graces“ zeigt, was aus einem scheinbar ausgelutschten Thema künstlerisch herauszuholen ist.

Ende November und wir sind endlich durch. Denn mit „Midwinter Graces“ liegt nunmehr das letzte relevante Weihnachtsalbum des Jahres 2009 eines Pop- bzw. Rockstars zur Besprechung vor. Es war wieder einmal alles dabei: Großer Schmalz (Ronan Keating), großer Schrott (Rob Halford) und großer Spaß (Bob Dylan). Jetzt fehlt eigentlich nur noch eines: große Kunst. Und wer sollte sich besser in diesem Fach auskennen, als die Art-Pop-Sirene Tori Amos? Und in der Tat: Mit „Midwinter Graces“ legt die 46jährige Pfarrerstochter das mit Abstand geschmackvollste Weihnachtsalbum der Saison vor.

Zusammen mit ihrer langjährigen Band – Mac Aladdin (Gitarre), Jon Evans (Bass) und Matt Chamberlain (Drums) – sowie einem kompletten Orchester unter der Leitung von John Philip Shenale spielte Tori Amos vermeintlich klassisches Standardrepertoire ein, an das sich Musikerkollegen aber nicht so oft herantrauen („What child, Nowell“, „Star of wonder“) und garnierte das Ganze mit den beiden neuen Eigenkompositionen „Pink and glitter“ und „Our new year“, die sich nahtlos in die spezielle Atmosphäre des Albums einfügen.

Man mag Tori Amos für ihre im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaften Texte und die zum Teil avantgardistischen Arrangements für ein bisschen spinnert halten, doch hier zahlt sich beides aus! Die Amerikanerin verpflanzt die ausgewählten Songs nicht einfach in schnöde Pop- oder Rockkorsette, sondern taucht diese in eine angemessen bedächtige bis romantische Grundstimmung. Das funktioniert von Beginn an ganz prächtig, wenn in „Star of wonder“ fernöstliche Klänge überraschen, in „Holly, Ivy and Rose“ ein Duett mit einem Kind (Natasha Hawley) angestimmt wird oder in „Harps of gold“ um die christliche Lobpreisung „Gloria in Excelsis Deo“ ein poppiges Gerüst gebaut wird. Sogar „What a child, Nowell“ gelingt es trotz opulenter Streicher und Glockengeläut nicht kitschig zu klingen.

„Midwinter Graces“ zeigt, was aus einem scheinbar ausgelutschten Thema künstlerisch herauszuholen ist, wenn man bereits alle Hoffnungen aufgegeben hat, weil sich auch in diesem Jahr eine Schnarchnase nach der anderen an einem Weihnachtsalbum probieren musste bzw. wollte. Schön, dass Tori Amos mit diesem Album die Niveau-Meßlatte wieder an die richtige Stelle rückt.

Anspieltipps:

  • Emmanuel
  • Snow angel
  • Star of wonder
  • Pink and glitter
  • Holly, Ivy and Rose
  • What a child, Nowell

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