Vic Chesnutt - Skitter On Take-Off - Cover
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Vic Chesnutt Skitter On Take-Off


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vic Chesnutts Biografie ist eine, die voller Tragik ist, die aber auch zugleich einiges über seinen Lebensstil aussagt. Er wuchs in Zebulon, Georgia bei Adoptiveltern auf, schrieb frühzeitig erste Songs und versuchte sich als Musiker durchzuschlagen, bis 1983 ein Autounfall diese Pläne zunichte zu machen schien. Als Folge des Unfalls sitzt er seither querschnittgelähmt im Rollstuhl. Er zerbrach daran aber nicht, sondern nachdem er Michael Stipe von R.E.M. kennengelernt hatte und dieser ihn ermutigte ein erstes Album aufzunehmen, nahm seine Karriere einen steilen Weg nach oben.

Mit „Skitter on Take-off“ erscheint nun die 14. Veröffentlichung des Ausnahmemusikers. Begleitet von Jonathan Richman (Gitarre) und Tommy Larkin (Schlagzeug), die zudem die CD produzierten, spielt Vic Chesnutt sein Können voll aus: Neun spröde, oftmals live aufgenommene Akustiksongs, die absichtlich nicht perfekt gespielt und produziert, quasi naturbelassen, sind.

Im Unterschied zu vorherigen Aufnahmen, auf denen er sehr intim und behutsam seine Texte darbietet, nutzt er hier starke Emotionen und generelle Gefühle um seine teilweise fiktionalen, politischen und sozialen Botschaften zu transportieren. So singt er im Song „Dick Cheney“ über den ehemaligen Vizepräsidenten der USA „Confidence near from ear to ear / Maybe not the straightest aim / But that don't stop you from shooting over and over again“, um die aus Sicht Chesnutts bösen und skrupellosen Positionen und Verhaltensweisen des Politikers allgemeingültig und doch persönlich zu kommentieren.

Ein anderes Beispiel ist „Worst Friend“, ein Lied, in dem Chesnutt die Leben von sozial aus der Gesellschaft ausgegrenzten Personen wie einem Raucher, einem geistig Behinderten und einem Krebspatienten schildert. Seine Position, dies auf weltweite soziale Missstände und nicht nur auf die USA zu beziehen, mag nicht jeden zu begeistern. Man sollte aber bedenken, dass Chesnutt oft in subtilen Zynismus verfällt und auch die Krankenhauskosten, die von seinem Unfall herrühren noch immer nicht komplett abbezahlen konnte. Nichtsdestotrotz ist der Song ein eindrucksvoller Kommentar zur der dunklen Seite der amerikanischen Gesellschaft.

Auch in den anderen Songs erweist sich Vic Chesnutt als hervorragender, von seinen Begleitmusikern sehr gut unterstützter Geschichtenerzähler. Am stärksten ist das Album aber immer da, wo nur der Songwriter mit seiner Gitarre und seiner fragilen Stimme zu hören ist, so z.B. im kongenialen Closer „Sewing machine“, der offen lässt, welche Saat nun für den 15. Silberling gesät wird. Ein „Happynessalbum“ wird es sicherlich nicht, aber das würde auch nicht zu ihm passen.

Anspieltipps:

  • Feast in the time of plague
  • Dimples
  • Worst Friend
  • Sewing machine

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