Patenbrigade: Wolff - Baustoff (Popmusik Für Rohrleger) - Cover
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Patenbrigade: Wolff Baustoff (Popmusik Für Rohrleger)


  • Label: Zweieck Recordings
  • Laufzeit: 57 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Patenbrigade: Wolff schlossen sich 1998 in Berlin-Brandenburg zusammen. Sven Wolf und Lance Murdock teilen einen Faible für Baustellen, Kräne und vor allem laute monotone Maschinen. Zudem waren beide an elektronischer Musik interessiert. Was aber ist eine Patenbrigade? In der DDR wurden Brigaden eingesetzt, die in Schulen und Kindergärten Patenschaften einzelner Gruppen und Klassen übernehmen sollten, um diese frühzeitig in die Arbeitswelt einzuführen und Firmen und ihre Arbeit näher zu bringen. Zudem wurden mit den Kinderferienlager und ähnliches unternommen, um sie an das politische System zu binden.

Patenbrigade: Wolff sehen sich als Brigadisten, die ihre Fans an ihre Arbeit heranführen, ein politisches Statement im Sinne der Ostalgie fehlt allerdings. Im Gegenteil, auf ihren vorhergegangenen Alben setzten sie immer wieder Samples aus DDR-Zeiten kritisch ein. Zu ihren Fans gehört unter anderem bekennender weise Dr. Mark Benecke, Deutschlands bekanntester Kriminalbiologie, der sie nun auch auf ihrem fünften Release „Baustoff (Popmusik für Rohrleger)“, vom Ambient und Technoproduzenten Olaf Wollschläger blitzsauber produziert, wortreich unterstützt.

Entgegen ihrer sonstigen Arbeitsweise, zeigen Patenbrigade laut Pressemitteilung diesmal den Weg zu den „tiefer liegenden Fundamenten abseits des gewohnten Bauwesens“, soll heißen, die Gastsänger wurden angehalten nicht über Bauprobleme zu singen, sondern ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen wie auf der 1. Singleauskopplung „Voyage“, welche gute Chancen haben dürfte in den DAC-Charts wie schon andere Singles der Band eine Spitzenposition zu erlangen. Das Intro „Aufbau“ beginnt mit stampfenden Geräuschen, die einer Maschine nachempfunden sind, gefolgt von einem ambientartigen Sound mit getragener Stimme begleitet. Genau das erwartet den Hörer in der folgenden Stunde. Teilweise erinnern die Melodien an Kraftwerk, dann wieder an Jean Michael Jarre, am auffälligsten sind jedoch in vielen Liedern Schiller-artige Soundscapes, zudem ähnelt das Konzept der vielen Gastsänger dem des Hamburgers.

Anfangs drehen sich noch die Texte um Baustellen und Maschinen („Das Kraftfeld“) und ihre Fehler („Fehler 404“) und der erste Track in dem ein Telefonat mit Dr. Mark Benecke zu hören ist „IM Benecke“ zeigt, dass ein Leitthema des Albums Arbeitsunfälle und ihre Folgen ist. Im Kontrast hierzu scheinen die emotionalen Texte der zahlreichen Gastsänger zu stehen, in denen oft über die Liebe, allerdings nicht auf die in den Charts ausgelutschte Weise, singen. Hier zeigt sich, dass die Liebe eine der großen Baustellen des Lebens ist.

Der starke Kontrast zwischen obskuren Arbeitsunfällen (geschildert von M. Benecke) einerseits und L(i)ebensbeschreibungen mag merkwürdig anmuten, das Konzept geht dank der anfangs etwas raueren in Richtung EBM gehenden Sounds, die im Lauf des Albums immer mehr in Richtung Ambient verschoben werden, auf.

Sicherlich sind auch nicht alle Lieder mainstreamdiscotauglich, das wunderschöne „My Mountain“, oder „Voyage“ wären aber durchaus wert dort gespielt zu werden. Auch „Popmusik“ mit seinen deutlichen Anleihen bei Kraftwerk wäre in entsprechenden Hallen sicher ein Tanzflächenfüller. „Abbau“ entlässt den Hörer schließlich verträumt in die Nacht, wo wie in „Das Kreftfeld“ angedeutet, die Nachtarbeiter wieder aktiv werden.

Anspieltipps:

  • My mountain
  • Anklage: Blitzschlag
  • Voyage
  • Popmusik für Rohrleger

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