Dashboard Confessional - Alter The Ending - Cover
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Dashboard Confessional Alter The Ending


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Zuweilen wollen auch tätowierte säuseln. Da Dashboard Confessional dies aber permanent tun, nennt man es Emo. Emo-Pop um genau zu sein, denn die Zutaten echten Hardrocks werden hier eigentlich nie beigemengt.

Der amerikanische Rolling Stone nannte Chris Carrabba vor kurzem den Godfather of Emo. Wahrscheinlich wegen zweifach Gold und einmal Platin für „The Places You Have Come To Fear The Most“, „A Mark, A Mission, A Brand, A Scar” und „MTV Unplugged 2.0”. Das aber ist lange her und selbst in Genrekreisen sind die beiden letzten regulären Studioalben als wenig tauglich abgeschrieben worden.

Ob „Alter The Ending“ also dem eingestaubten Genre-Denkmal neuen Glanz verleihen kann? Schwer zu beantworten. Die Musik ist jedenfalls fürchterlich. Aber das war sie auch schon früher. Nicht weil es eine virulente Modeerscheinung ist, sondern weil hier sich einer lächerlichen Emphase hingegeben wird, die es eigentlich nicht verdient emotional genannt zu werden. Es ist die ausgequetschte Peinlichkeit der Selbstbemitleidung die hier regiert und sich auf erschreckend drastische Weise mit billigsten Methoden der Songstrukturierung paart und krönenden Abschluss in der Veredelung der unartifizielsten Lyrics seit Milli Vanilli findet.

Ich versuch es ja, ich versuch es ja. Aber dieses pisswarm-seichte Geplätscher! Mit Verstärkern an der Gitarre! Warum ist Carrabbas nicht beim Singer/Songwriter-Pop der Anfangszeit geblieben? Ach ja, weil er Dinge singt wie: „We stayed in the sun too long/Suffered a terrible burn/Now everybody learns from disaster” („Everybody Learns From Desaster”). Puh. Gegen solche Weisheiten kommt man nicht an. Und gegen den Sunshine-Stadionrock von „The Motions“ auch nicht (ein Song der nach einem Persiflage-Video mit Barbie-Puppen schreit). Emo mit Licht am Ende des Tunnels. Carrabbas wird mit zunehmendem Verlauf auf „Alter The Ending“ glücklich und lässt es seine Umwelt wissen. Immerhin muss man zu Gute halten, dass hier kein Hehl aus der Liebe zum Pop gemacht wird und nicht so getan wird, als sei man härtester Underground. Immerhin. Aber die Gewässer des Pop sind weit und hören nicht bei knietiefe auf.

In der limitierten Fan-Ausgabe des Albums werden die gleichen zwölf Songs auf einer zweiten CD noch einmal dargeboten, hier aber streng akustisch, was das Ganze Nuancen ertragbarer macht. Nein, eigentlich nicht. Das recherchierte Faktum, dass Chris Carrabbas kurzzeitig Grundschullehrer war, legt eine böse, dennoch treffliche Analogie frei: Grundschul-Rock. Künstlerischer Anspruch gleich Null. Sorglose Seligkeit gleich volle Punktzahl.

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