Rihanna - Rated R - Cover
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Rihanna Rated R


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Während sich Rihanna optisch durchaus auf gewagtes Parkett begibt, geht sie musikalisch absolut auf Nummer sicher.

Mit ihrem dritten Album „Good Girl Gone Bad“ (06/2007) und den drei Neu- bzw. Zusatzauflagen „Good Girl Gone Bad: Live, Reloaded und The Remixes“ etablierte sich Rihanna (21) endgültig in den obersten Sphären der aktuellen Popmusik. Das Album verkaufte mehr als 7,5 Millionen Einheiten und die erste Single daraus, „Umbrella“, entwickelte sich rund um den Globus zu einem selten da gewesenen Chart-Dauerbrenner, gefolgt von sechs (!!!) weiteren Auskopplungen.

Da verwundert es wirklich nicht, dass Rihannas Plattenfirmae es gar nicht erwarten kann, neues Material der karibischen Schönheit in die Läden zu wuchten. Und zwar am liebsten noch vor Weihnachten, um die festlich gestimmte Kauflust der Menschen auszunutzen, auch wenn die Presse für die 21-Jährige in der jüngeren Vergangenheit gar nicht so positiv war (Stichwort Prügelaffäre mit Chris Brown). Doch so funktioniert nun mal das Pop-Business: Schlechte Nachrichten sind besser als gar keine Nachrichten. Also scheiß der Hund drauf!

Für ihren vierten Longplayer „Rated R“ tritt Rihanna wieder einmal in einem neuen Look auf, der sie (noch) freizügiger und sexuell offensiver zeigt. Mit dem kleinen unschuldigen Mädchen von der Insel Barbados hat dies nichts mehr zu tun, was beim Publikum scheinbar sehr gut ankommt. Also wird Stück für Stück immer mehr an der Schraube gedreht und das Spielchen weiter getrieben, worüber das „Rated R“-Booklet explizit (sic!) und in aller Ausführlichkeit Auskunft gibt. Hoffen wir nur, dass dieses Gehabe auch authentisch und nicht auf dem Mist eines Marketingberaters gewachsen ist. Ach ja: In diesem Zusammenhang sollte der guten Rihanna vielleicht mal jemand stecken, was der Unterschied zwischen einem verruchten Sexy-Blick und einer missmutig-mürrischen Schnute ist!

Während sich Rihanna optisch also durchaus auf gewagtes Parkett begibt, geht sie musikalisch absolut auf Nummer sicher. Denn was auf der vorausgegangenen drei Studioalben zunehmend besser funktionierte, wird auf „Rated R“ hörbar perfektioniert. Passend zu ihrer sirenartigen Stimme ließ sich die Sängerin 13 Tracks maßschneidern, von denen es drei, vier durchaus mit den Hitqualitäten des Vorgängeralbum aufnehmen können. Wer also „Good Girl Gone Bad“ mochte, wird auch mit „Rated R“ befriedigt – und umgekehrt freilich! Denn es lässt sich nicht verhehlen, dass die dargebotenen Tracks allesamt recht gleichförmig und mitunter erschreckend seelenlos klingen („Rude boy“, „Te amo“). Sicher: In Häppchen serviert mag das ganz toll unterhalten, am Stück genossen kommen dagegen Zweifel an der Authentizität auf.

Klassischer Fall von musikalischem Fast Food eben, das anfänglich mundet, aber auch für Verstopfung des Hörorgans sorgen kann. Kleines Beispiel: Wenn ich schon einen vermeintlichen Gitarrengott wie Slash verpflichte („Rockstar 101“), wäre es durchaus angebracht, wenn dieser aus dem Mix herauszuhören wäre. Mit Rapper Jeezy („Hard“) und „Black Eyed Peas“-Mann Will.I.Am („Photographs“) klappte dies doch auch. So handelt es sich im Fall von Slash nur um verschwenderisches Name Dropping ohne Sinn. Ansonsten sorgte wieder einmal Grammy-Gewinner und Auftragssongschreiber Ne-Yo, der bereits die erfolgreichen Songs „Unfaithful“ und „Take a bow“ für Rihanna geschrieben hatte, für klare Hit-Verhältnisse, indem er die erste Singleauskopplung „Russian roulette“ sowie das nicht minder hitverdächtige „Stupid in love“ beisteuerte, wobei auch Justin Timberlake mit „Cold case love” eine Duftmarke hinterlassen durfte.

Unterm Strich bedeutet dies: Musikalisch nichts Neues aus dem Hause Rihanna. Das Erfolgsrezept wird lediglich verfeinert und ganz ohne Risiko fortgesetzt. Für ein paar Radiohäppchen mag dies vielleicht reichen, aber man stelle sich nur einmal vor, die Singleauskopplungen von Frau Fenty wären nicht so erfolgreich: Kein Hahn würde nach einem Album wie „Rated R“ krähen.

Anspieltipps:

  • G4L
  • Fire bomb
  • The last song
  • Cold case love
  • Wait your turn
  • Russian roulette

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