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Nirvana Bleach (20th Anniversary Edition)


  • Label: Sub Pop/WEA
  • Laufzeit: 77 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer „Nevermind“ das erste Mal hörte, kannte in der Regel das „Bleach“-Album noch gar nicht und erlebte beim nachgeholten Kauf eine nette Überraschung.

Es war im Juni 1989, als mit „Bleach“ das Debütalbum einer kleinen Rockband aus Seattle erschien, die auf den Namen Nirvana hörte. Noch konnte niemand ahnen, dass aus dem Krach auf „Bleach“, u.a. gespielt von einem 22jährigen Jüngling namens Kurt Cobain, nur wenig später eine der größten Rocksensationen aller Zeiten werden sollte.

Die ersten Nirvana-Demos entstanden im Jahr 1987 in den leicht schmuddeligen Reciprocal Recording Studios in Seattle, in denen schon zuvor Soundgarden, The Screaming Trees, Mudhoney und Green River aufnahmen. Die Demos von Nirvana landeten beim lokalen Kult-Label Sub Pop, das den Song „Spank thru“ für seine „Sub Pop 200“-Compilation nutzte und Nirvana damit im Nordwesten der USA bekannt machte. Kurz darauf unterschrieben Nirvana einen Plattenvertrag bei Sub Pop über drei Alben und gingen zusammen mit Jack Endino (Soundgarden, Green River, Mudhoney) ins Studio und spielten die endgültige Version von „Bleach“ für die gern kolportierte Minimalsumme von 600 Dollar in vier Sessions á 8 Stunden ein. Dieser ungehobelte Indie-Rock-Brocken enthielt mit Titeln wie „About a girl“, „Negative creep“, „Love buzz“, „School“ und „Big cheese“ bereits erste Rohdiamanten, mit denen sich allerdings noch keine Rock-Revolution auslösen ließ. Dazu bedurfte es einem Album wie „Nevermind“ (1991), das den Hörgewohnheiten der breiten Masse deutlich näher kam.

Die Jubiläumsausgabe von „Bleach“ wurde von Jack Endino persönlich remastert, mit einem sehr umfangreichen 48-Seiten-Booklet ausgestattet und mit einer Bonus-Live-Performance vom 9. Februar 1990 ergänzt. Leider wurde der Live-Auftritt nicht auf einer separaten CD untergebracht, sondern direkt hinter das Originalalbum gequetscht. Das wirkt irgendwie billig, schont aber dafür Ressourcen.

Wer „Nevermind“ das erste Mal hörte, kannte in der Regel das „Bleach“-Album noch gar nicht und erlebte beim nachgeholten Kauf eine nette Überraschung. Denn wer über den kernigen Sound auf „Nevermind“ überrascht war, staunte beim Hörgenuss von „Bleach“ nicht schlecht. Wo das 1991er Durchbruchsalbum poliert und sauber klang, werden auf „Bleach“ die Pferde scheu gemacht. Es bollert, rumpelt und rauscht, als hätte der Toningenieur sein Hörgerät verloren. Umgeben von zuviel Hall, variiert das Tempo mehr oder weniger ungewollt, was besonders der schwachen Performance von Ur-Drummer Chad Channings zuzuschreiben ist und Cobains Gitarrensoli klingen wie mit der Axt bearbeitet.

Jack Endino versuchte bei der Neuauflage so gut es ging den Sound zu korrigieren und bringt „Bleach“ damit im Vergleich mit dem Original in der Tat nach vorne. Auch wenn es natürlich weiterhin punkig, ungehobelt und rau klingt, so ist der Eindruck einer Kellerlochaufnahme jetzt nicht mehr so stark, auch wenn sich der Bass in Stücken wie „Scoff“, „Downer“ oder „Big cheese“ immer noch wie eine Katastrophe anhört.

Die elf Live-Songs zeigen Nirvana acht Monate nach der Veröffentlichung von „Bleach“ in ihren typischen Bühnenmanier: Die Band spielt erstaunlich groovy und Kurt Cobain wandelt gesanglich an der Grenze zur absoluten Heiserkeit – Stimmverlust nicht ausgeschlossen. Ähnlich grenzwertig klingen auch seine Gitarrensoli, was den Kultfaktor freilich noch mehr steigert. Schließlich standen Nirvana auf der Bühne nie für musikalischen Blümchensex, sondern für harten, aber herzlichen Grunge mit einer Extraportion Punkrock.

Anspieltipps:

  • Blew
  • School
  • Paper cuts
  • Swap meet
  • About the girl
  • Negative creep
  • Spank thru (live)
  • Molly’s lips (live)
  • Floyd the barber (live)

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