Hearts No Static - Motif - Cover
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Hearts No Static Motif


  • Label: Bureau B/TAPETE
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Stockholmer Trio Hearts No Static debütiert mit „Motif“ und zeigt nun seit seiner Gründung in 2005 und einigen Personalwechseln, dass die Band um John Roger Olsson, Jens Pettersson und Otto Johannson angekommen ist bei ihrem ganz eigenen Entwurf zwischen instrumentalem Post-, Kraut-Rock, Drone und Ambient. Im Januar 2009 in kurzer Zeit analog eingespielt offenbaren sich neben der üblichen Bestückung einer „Gitarren-Band“ auch ein Vibraphon, Harmonium, Rhodes Piano, Klavier und eine Trompete. Diese Orientierung erweist sich bei den ersten Hördurchgängen von „Motif“ als hilfreich, lassen einen Hearts No Static doch erst einmal recht verwundert zurück, wenn nach stürmischem Beginn in feedback-lastiger Manier mehr und mehr der abstrahierte Entwurf von etwas durchscheint, das man kaum greifen kann, aber dennoch genießen.

Wie die wärmende, morgendliche Sonne nach einer kalten Nacht erstrahlen die entrückten Gitarrensounds des Openers „Lowlands“ und schmiegen sich an eine Langsamkeit, die im weiteren Verlauf ergänzt um schleppende Drums und ein waberndes Piano zwischen Sehnsucht und Unheil pendelt, das sich folgerichtig beim Titeltrack entlädt. Hymnisch treibend erheben sich effekt-beladene Gitarren wie zur Geisterstunde und entwischen dem knöchrigen Rhythmus-Gerüst in einer Art, die durch die zarten, unbeholfenen Akustikgitarren von „Strait Of Malacca“ überraschend gekontert wird. In sich ruhend kommt das Vibraphon prägend zur Geltung und das Trio immer mehr zur Ruhe. Taumelnd bewegt sich der Klangkosmos von Hearts No Static weiter, am Post-Rock vorbei und hinauf zu Ufern, die man noch am ehesten mit Krautrock-Miniaturen vergleichen kann.

Um sich nach dem Aufbruch des Titeltracks und der nun vorherrschenden leisemalerischen Ästhetik vor den Kopf gestoßen zu fühlen, gehört schon einiges. Denn wer wirklich fällt, tut dies weich und erfreut sich in jeder Sekunde an einer Band, die dem übersättigten Post-Rock-Genre nachhaltig mit neuen Impulsen und einem überlegten Songwriting entgegentritt. Dabei können noch so viele Genre-Bezeichnungen in den Raum geworfen werden: Es bleibt vor allem mystisch stimmungsvoll und vielseitig instrumentiert, was die zwei Teile von „Hovering“ zum Schluss der Platte noch einmal träumerisch unter Beweis stellen und dramaturgisch perfekt nur vom kurzen, kraftvollen „Knick-Knacks“ unterbrochen werden. Und so wird aus dem anfänglich etwas zerrissen wirkenden Longplayer ein schlüssiges Gesamtwerk, für das man noch lange auf der Suche nach der wirklichen Essenz sein wird. Die Schweden von Hearts No Static haben sie definitiv schon gefunden.

Anspieltipps:

  • Motif
  • Strait Of Malacca
  • Fashion Death
  • Hovering (Part 1)

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