Sidewaytown - Years In The Wall - Cover
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Sidewaytown Years In The Wall


  • Label: Viva Hate Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei Sidewaytown von einer neuen Band zu sprechen wäre angesichts ihrer Entstehungsgeschichte zu einfach, handelt es sich schließlich um niemand geringeren als Markus Baltes (Gesang, Gitarre), der hier die Zügel in der Hand hält. Mit seinen beiden vorangegangenen Projekten Paragon Of Beauty und Autumnblaze hat sich der Deutsche in der Rock- und Metalszene einen Namen gemacht und obwohl sein neuestes Kind einen anderen Weg geht als frühere Kompositionen, so ist es doch irgendwie typisch Baltes, was auf „Years in the wall“ aus den Boxen strömt. Der Trip Hop-Vergangenheit und dem „Radiohead meets The Cure Wave Rock“ hat der umtriebige Musiker mittlerweile abgeschworen, doch seine melancholische Seite darf er mit der Post Rock-Truppe Sidewaytown trotzdem ausleben.

Eine Mischung aus Oceansize, Sigur Ros und Elbow sei das anberaumte Ziel der Platte gewesen und gemeinsam mit Fabian Strauß (Bass) und Ulf Theodor Schwadorf (Schlagzeug) wurde dieses Vorhaben in natürlich klingenden Aufnahmen stimmungsvoll eingefangen. So gibt es dann warme, versöhnliche Klänge, die den Hörer pausenlos in den Arm nehmen möchten und einige lautstarke Ausbrüche, die in jener Form das Opus der Isländer Sigur Ros am Ehesten streifen, auch wenn Baltes auf langgezogene Meditationspassagen verzichtet und seine Stücke lieber übersichtlich hält. Auf „Years in the wall“ einen Track besonders hervorzuheben fällt schwer, vor allem weil Aufbau und Struktur kaum variieren, die gehauchten, langgezogenen Vocals zu großen Teilen ermüdend sind und alles mit Ausnahme der kurzen Instrumentaleruptionen konsequent im Midtempo verankert scheint.

Dadurch wird die handwerklich solide Arbeit von „Years in the wall“ schnell abgetragen und nach ein paar Durchläufen widmet man sich lieber den Werken der oben genannten Herrschaften, da Baltes die übernommenen Zutaten nur in ein etwas rockigeres Gewand steckt anstatt sich an ihnen zu orientieren und ein eigenes Kunstwerk zu formen. So entstehen dann keine musikalischen Zufluchtsstätten leicht zerbrechlicher Herkunft, da Songs wie „Asylum F 22.0“, „Paper walls“ oder „Lightseconds“ immer ausreichend Bodenhaftung besitzen und mit „Aaaah“-Chören und federleichtem Gitarrengeschwurbel kaum aus dem Genre-Kanon heraustreten. Trotzdem gelingt dem Deutschen mit „Empty station“ ein eindrucksvolles Stück entrückter Schönheit, wenn kurz vor Schluss nach längerer Ruhephase das Schlagzeug das Wohnzimmer erbeben lässt oder „Outpatient: Voice“ an eine in Englisch gesungene B-Seite der verschrobenen Isländer erinnert und erhaben aus den Boxen perlt. Doch wie so oft stellt sich auch bei Sidewaytown die Frage: Wieso sollte man eine ordentliche Kopie hören, wenn man das atemberaubende Original haben kann?

Anspieltipps:

  • Empty Station
  • Outpatient: Voice
  • Beautiful Accident

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