Atreyu - Congregation Of The Damned - Cover
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Atreyu Congregation Of The Damned


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was soll zu dieser neuesten Langrille gesagt werden, wenn sie einem dermaßen halbherzig und durchwachsen um die Ohren geschlagen wird?

Langsam aber sicher mausern sich Atreyu zu einer der beständigsten Metalcore-Kapellen des Planeten. Nicht nur, dass mit ihrem Soundtrack-Beitrag „Her portrait in black“ für „Underworld: Evolution“ der Bekanntheitsgrad enorm angestiegen ist und Alex Varkatzas (Gesang), Dan Jacobs (Gitarre), Travis Miguel (Gitarre), Marc McKnight (Bass) und Brandon Saller (Schlagzeug) mit dem darauffolgenden „A deathgrip on yesterday“ (03/2006) eine beachtliche Top 10-Platzierung in den Billboard-Charts hinlegen konnten, auch das sukzessive Werk „Lead sails paper anchor“ (08/2007) behauptete sich in der amerikanischen Hitparade und stellte mit Platz 8 den bisher größten Erfolg in der Geschichte des Orange County-Acts dar.

Rückblickend betrachtet war diese kommerzielle Höchstleistung einigermaßen verständlich, denn der vierte Output Atreyus hatte nicht nur popige Melodien mit hohem Mitgrölfaktor zu bieten, sondern beherbergte inmitten des metallischen Hypozentrums mehrere stimmungsvolle Emocore-Stücke, die selbst nach dem zwölften Durchgang nicht an Biss und Pfeffer verloren hatten. In weiterer Folge sollte „Congregation of the damned“ als direkter Nachfolger wohl mindestens genauso in den Schädel knallen, könnte man meinen. Leider macht es sich der Fünfer nicht ganz so leicht und liefert mit den ersten vier Nummern („Stop! Before it´s too late and we´ve destroyed it all“, „Bleeding is luxury“, „Congregation of the damned“, „Coffin nails“) bestenfalls aufgewärmten Kaffee von vorgestern an, der abgestanden und schal schmeckt.

Glücklicherweise ändern Atreyu mit „Black days reign“ ihren Kurs und drängen (nach einer halbwegs zufriedenstellenden Vorstellung) den Hörer gegen Ende des Songs zusätzlich mit einer unbarmherzigen Riffwand in eine Ecke, bis dieser um Gnade winselt. Dumm nur, dass „Gallows“ trotz energischer Performance wieder in belanglose Gefilde abdriftet und „Storm the pass“ ebenfalls nicht an die hymnisch-eingängigen Taten eines „Paper sails lead anchor“ anschließen kann. Doch plötzlich schlägt die Stimmung um. „You were king, now you´re unconscious” startet mit Samba-Rhythmen, einem schreienden Mob und etwas, das nach der Beschwörungsformel eines Voodoo-Priesters klingt. Die Atmosphäre kocht über und Atreyu legen noch eine Schippe Epik ins tobende Stimmungsfeuer, in dem nun stampfende Drums und rotzige Gitarren den Track vorantreiben und in einer kurzen Explosion den eigentlichen Song beginnen lassen. Verdammt, Leute! Wieso geht das ganze Album nicht so ab?

Nach dieser herrlichen Vorstellung präsentieren die fünf Herrschaften mit „Insatiable“ zwar lediglich einen in Ordnung gehenden Lückenfüller, doch das Eis scheint endlich gebrochen und Atreyu spielen wesentlich befreiter auf. Bemerkbar wird dieser Prozess in „So wrong“, das endlich wieder eine starke, sehnsuchtsvolle Melodie in ein stimmiges Songkonstrukt packt und das folgende „Ravenous“ schaltet sowieso erst einmal auf Durchzug und zeigt die Jungs mit wuchtiger Spielfreude von ihrer klassischen Heavy Metal-Seite. Zum Abschluss schieben Atreyu allerdings eine ruhige Kugel und kredenzen nach dem etwas monotonen „Lonely“ den kuscheligen Albumender „Wait for you“, der Bon Jovi genauso gut zu Gesicht stehen würde. Was soll also zu der neuesten Langrille aus Orange County gesagt werden, wenn sie einem dermaßen halbherzig und durchwachsen um die Ohren geschlagen wird und dann doch wieder an selige Zeiten anschließt, wo sich der tobende Moshpit regelrecht vor dem inneren Auge manifestiert? „Gute Besserung“ wäre sicherlich nicht verkehrt, denn nach „Congregation of the damned“ wollen wir eine Granate sehen, wo solche Fragen nicht gestellt werden müssen. Alles klar?

Anspieltipps:

  • Ravenous
  • So Wrong
  • Black Days Reign
  • You Were King, Now You´re Unconscious

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