The Clash - London Calling (30th Anniversary Edition) - Cover
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The Clash London Calling (30th Anniversary Edition)


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 65 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„London Calling“ von The Clash – das ist den meisten Leuten ein Begriff, die sich in irgendeiner Weise mit Rockmusik auseinander setzen. Auf fast jeder Bestenliste besetzt das Album aus dem Jahre 1979 einen der vorderen Ränge, immer wieder wird es als eines der einflussreichsten Alben der Rockgeschichte gepriesen. Nun kommt der Longplayer zu seinem 30. Geburtstag wieder als „30th Anniversary Edition“ auf den Markt. Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Genau. Vor fünf Jahren wurde schon mal ein solches Re-Release mit identischem Namen veröffentlicht. Wo der Unterschied zwischen den beiden Veröffentlichungen besteht? Die Antwort auf diese Frage fällt leider genauso enttäuschend wie verärgerlich aus: Es gibt keinen – mal abgesehen davon, dass der neuen Version nicht mal die sog. „Vanilla Tapes“ beiligen (Demo-Fassungen der auf „London Calling“ enthaltenen Songs). So können alle Käufer der 25th Anniversary Edition sich an dieser Stelle entweder ärgern – weil es nichts Neues zu sehen oder hören gibt – oder freuen – weil sie nicht noch mal zum Portemonnaie greifen müssen.

Auf „London Calling“ vereinten The Clash in 19 Songs eine Vielzahl von Stilen und bauten sie in ihren ursprünglich einseitigen und aggressiveren Sound ein, was sie von allen anderen Bands des Genres abhob und sie (zumindest vorerst) überleben ließ. Ska-, Pop-, Dub- und Reggae-Klänge kommen in den Songs zum Vorschein und wurden von der Band zu etwas vollkommen Eigenständigem zusammengeschweißt. Von Liedern wie „London Calling“, das mit seinem knallendem Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug apokalyptische Stimmungen beschwört („The ice age is coming / the sun is zooming in / engines stop running / and the wheat is growing thin“), über das reggae- und bläserlastige „Wrong 'Em Boyo“ bis hin zum fast schon schmachtenden Piano-Rock von „The Card Cheat“ und dem abschließendem Ohrwurm „Train In Vain“ ist schlicht und ergreifend alles hervorragend. Die Wut des Punkrocks – aus dem The Clash hervorkamen – lässt sich dabei eher in den Lyrics Joe Strummers wiederfinden als in der Musik selbst: „I'm all lost in the supermarket / I can no longer shop happily / I came in her for that special offer / a guaranteed personality“ heißt eine Textzeile aus „Lost in The Supermarket“, dessen Melodie sich wie bei allen Liedern dieses Albums sofort ins Gedächtnis brennt.

Die beiliegende DVD enthält die sehr aufschlussreiche Dokumentation, „The Last Testament - The Making of London Calling“ von Don Letts, über die Entstehung des Albums mit Interviewausschnitten und Live-Auftritten der Band. Zudem gibt es zwei Live-Videos von „Clampdown“ und „Train In Vain“ und unkommentiertes Filmmaterial von den Aufnahmen in den Wessex Studios, das über weite Teile den durchgeknallten Produzenten Guy Stevens zeigt (der noch während des Aufnahmeprozesses gefeuert wurde), wie er zum Beispiel Stühle zerschrottet, während die Band spielt. Natürlich lässt insbesondere bei letzterem Film die Bild- und Tonqualität zu wünschen übrig. Außerdem stellt sich schon die Frage, warum nicht mehr Live-Aufnahmen auf die DVD gepackt wurden.

Eine Bewertung des Produktes fällt wegen den oben genannten Gründen schwer, doch kann die Verkaufspolitik der Musik letztendlich nichts anhaben: „London Calling“ bleibt ein außergewöhnliches Album und ist in der vorliegenden Version inklusive schöner Verpackung und dickem Booklet mit Bildern und Hintergrundinformationen für alle Rockfans, die noch nicht im Besitz des Albums sein sollten (und sich nicht schon die „25th Anniversary Edition“ gekauft haben), die richtige Wahl. So gibt es neun von zehn Punkten für ein perfektes Album mit nicht ganz perfektem Bonusmaterial.

Anspieltipps:

  • London Calling
  • Hateful
  • Spanish Bombs
  • Lost In The Supermarket
  • Wrong 'Em Boyo
  • The Card Cheat
  • Train In Vain

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