Eloy - Visionary - Cover
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Eloy Visionary


  • Label: Artist Station Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist das denn? Panflöten und Streicher paaren sich mit bis zu neun Minuten-Epen des klassischen Rocks? Haben wir irgendwas verpasst? Ist hier jetzt endgültig jemand vor die Wand gelaufen und meinte danach die musikalische Erleuchtung erhalten zu haben? Die Streicher sind eigentlich schnell geschluckt und spätestens seit „Viva La Vida“ sind diese Instrumente ja wieder mehr als salonfähig. Auch Clueso hat da seinen Teil beigetragen. Überhaupt erfährt das orchestrale Element in der heutigen Popkultur wieder einen Aufschwung. Aber die Panflöte? Nun gut, auch Gruppen wie Eluveitie und dergleichen machen wieder mehr auf sich aufmerksam. Warum also nicht? Ach, habe ich eigentlich die Synthesizer erwähnt, welche standesgemäß das Prog-Gefilde heimsuchen? Eloy haben wohl genau nachgedacht, als sie ihr Album „Visionary“ genannt haben.

Vordergründlich ist man schnell an Porcupine Tree erinnert, auch wenn sich hier ganz andere Einflüsse melden. Eloy klingt nach einer Menge Erfahrung aus den letzten Jahrzehnten der Musikgeschichte, was besonders bei Keyboard-Soli wie in „Age Of Insanity“ deutlich wird. So feiern dürfen sich Nicht-Gitarrenspieler nur noch bei Bands, die den alten Zeiten frönen. Das wirkt altmodisch, funktioniert aber dank guter Komposition. Umhauen tun diese Werke zwar niemanden, doch wer Fan des älteren Rockklanges ist und lange Prog-Nummern mag, wird sich mit diesem leicht zugänglichen Material schnell anfreunden. Wirklich interessant sind aber die Stücke „The Refuge“ und „The Secret“. Hier darf die Flöte tonangebend und die Streicher betörend sein. Besonders Letzteres klingt phasenweise wie ein Stück, welches schlicht für die Leinwand gemacht ist. Heroisch, Licht durchflutet und mit einer Note von Rock, die Phil Collins allein wohl besser hätte treffen können.

Leider wird dieser Standard nicht mehr erreicht und das Original, die elektronischen Klänge dürfen den Soundmantel weiter weben. Zumindest sind hier und da noch schöne Einsätze der Streicher („Summernight Symphony“), die aus althergebrachtem Prog-Rock herrlichen Orchestralrock hätten machen können. Auch „Mystery (The Secret, Part 2)“ verweigert sich in dieses so wünschenswerte Genre einzusteigen, ist aber, trotz etlicher Anleihen an Vorbilder, das gelungenste Prog-Werk dieser Platte. Chöre, treibende Gitarren- und Bassline. Wer mit der fehlenden Entwicklung leben kann, erlebt hier zumindest eine gute Portion treibender Stimmung. Das kurze Akustikstück „Thoughts“ beendet den unkonstanten Reigen und tatsächlich sollte man sich nun Gedanken machen. Warum soll ich synthetische Klänge verwenden, wenn ich den puren Klang der natürlichen Instrumente durch die Boxen tönen lassen kann? Wer ist eigentlich der wahre Visionär? Jener, der immer Neues sucht, oder jener, der altes immer wieder zeitgemäß einsetzen möchte? Eine Mischung? Viele Fragen auf die es hier keine Antwort gibt und so ist man hin und her gerissen, wie auch mit der Platte Eloys.

Anspieltipps:

  • The Refuge
  • The Secret
  • Mystery (The Secret, Part 2)

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