Neil Young - Dreamin´ Man Live ´92 - Cover
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Neil Young Dreamin´ Man Live ´92


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Hier zeigt sich wieder einmal die Wandlungsfähigkeit des Songwriters Neil Young, der sowohl als wütender Rocker als auch als sensibler Barde überzeugen kann.

Mit einem System, das mehr dem Prinzip „Kraut und Rüben” als einer echten Ordnung folgt, macht sich Neil Young seit ein paar Jahren über seine Archivschätze her und schmeißt diese lose durchnummeriert auf den Markt. Das passt zu dem kanadischen Kautz, der sich kurz vor dem Rentenalter nichts mehr vorschreiben lässt. Doch selbst in Neil-Young-Fankreisen stößt diese Veröffentlichungspolitik nicht nur auf Freunde.

So geriet das seit ewigen Zeiten angekündigte, genauso oft verschobene und als Höhepunkt der „Neil Young Archives Series” proklamierte Box-Set „Archives Vol. 1 (1963-1972)“ nicht zu dem Knüller, den sich der geneigte Fan erhofft hatte. Das Übel begann bei zumindest hierzulande völlig überzogenen Preisen, wogegen nur ein gezielter Internet-Kauf in den USA Abhilfe schaffen konnte und endete in verschiedenen Ausstattungsvarianten, von denen die vermeintlich günstigste, aber immerhin acht Silberlinge umfassende CD-Version im Vergleich zur DVD- bzw. Blu-Ray-Version als billig und leidenschaftslos durchging. Eine klarere Abfuhr in Richtung der von Mr. Young so verhassten CD hätte es nicht geben können. Noch ärgerlicher: Der Inhalt des Box-Sets überschneidet sich mit bereits veröffentlichten Einzel-CDs aus der „Neil Young Archives Series” – und das muss nun wirklich nicht sein!

Doch wie gesagt, einem Neil Young sind solche Kleinigkeiten herzlich egal, so dass es auch nicht verwundert, dass mit „Dreamin‘ Man: Live ‘92“ noch in diesem Jahr ein weiteres Puzzleteilchen der Archiv-Serie erscheint, das sich der Live-Aufbereitung des „Harvest Moon“-Albums (1992) widmet. Der stilistische Bruder des „Harvest“-Albums (1971) kam als ruhiger und sentimentaler Nachfolger des rauen „Ragged Glory“-Werks (1990) auf den Markt und überraschte das Publikum mit einer musikalischen 180-Grad-Kehrtwende. An die Stelle wütender Rocksongs rückten herzzerreißende Balladen („Such a woman“), in denen Neil Young den geübten Storyteller zu Mundharmonika-, Klavier- und Akustikgitarrenbegleitung gibt („Unknown legend“). Live ist das Ganze eine noch puristischere Angelegenheit als auf Platte, wobei die Dramaturgie durch eine im Vergleich zum Studioalbum veränderte Songreihenfolge eine andere ist. Hier zeigt sich wieder einmal die Wandlungsfähigkeit des Songwriters Neil Young, der sowohl als wütender Rocker als auch als sensibler Barde überzeugen kann.

Anspieltipps:

  • Such a woman
  • Harvest moon
  • Natural beauty
  • Unknown legend

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