Die Ärzte - Overkiller - Cover
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Overkiller


  • Label: Hot Action/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 150 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

2000 veröffentlichten Die Ärzte ihre erste offizielle DVD namens „KILLER”, vollgepackt mit den 15 Killer-Musikvideos seit ’93, zahlreichen Killer-Making-Ofs und tonnenweise Killer-Boni, die der Fan in den aberwitzigen Menüs durch Rumprobieren mit den Tasten entdecken konnte. Jetzt, neun Jahre und drei Live-DVDs (unplugged, plugged und Retro) später, bekommt „die beste DVD der Welt“ ihren Nachfolger: „Overkiller - die overbeste DVD der Welt“! Seit 2000 haben sich 17 weitere Clips angesammelt, die die Singleauskopplungen der Die Ärzte aus den letzten vier Alben auf unvergleichliche Weise bebildern. Grund genug für eine neue DVD. Doch Die Ärzte wären nicht Die Ärzte, hätten sie sich nicht so einiges einfallen lassen, um das Standardprogramm mit vielen Überraschungen zu erweitern.

Dem unaufhaltsamen Alterungsprozess ins Auge blicken – und das Ganze dann noch ironisch überspitzen, das ist das Hauptmotiv des Tonträgers, angelehnt an den Big-Budget Clip zur aktuellen Tripple-A-Seiten-Single „PerfektHimmelblauBreit“, wo sich Bela, Farin und Rod in einer schrillen Zukunftsvision als Rock-Opas im High-Tech-Altenheim präsentieren. Ausgestattet mit hellgrauem Haar, tiefen Falten und Gehhilfen führen die drei betagten Herren dann auch durch die aufwändigen Menüs von „Overkiller“, womit die Unterhaltung schon lange vor dem Anwählen des eigentlichen Inhalts beginnt. Schließlich hat man die Wahl zwischen den Punkten „Videos“ und „noch mehr“.

Dass sich in der Videografie des Berliner Trios Hit an Hit reiht, versteht sich von selbst. So genoss „Yoko Ono“ eine Zeit lang einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde als kürzester Videoclip der Welt; mit „Manchmal haben Frauen …“ sieht man den alternativ-erotischen Clip, der der DVD das FSK 16 Siegel einbrachte; eines der kultigsten MTV Uplugged Konzerte der Fernsehgeschichte wird hier in gleich vier Videos repräsentiert und gen Ende kommt mit „Junge“ ein damals mehr als heiß ersehntes Video, das nach langer Zeit wieder das Thema Zensur in Zusammenhang mit den Ärzten aufkommen ließ. Für den Genuss der nicht jugendfreien Version des Clips liegt der DVD übrigens ein Download-Code in edlem Gewand bei. Was soll man noch sagen? Wer die Videos nicht kennt, hat was verpasst und kann jetzt allesbequem nachholen.

Spannender für den Kenner ist dann schon der Bereich mit den Extras. Zugegeben: Die alternativen Versionen mancher Videos, wo teilweise Storyboards, Making-Of-Sequenzen oder ähnliche Schmankerl mit eingeblendet werden, oder der Drei-in-eins-Clip „PerfektHimmelblauBreit“ in einer Split-Screen Version mit frei wählbarer Tonspur locken den Hund nicht unbedingt hinterm Ofen hervor. Doch ein echtes Highlight verbirgt sich unter dem ominösen Titel „Samuel L. Bronkowitz präsentiert…“. Hier kommentieren Bela und Farin rares und bisher unveröffentlichtes Videomaterial von 1980 (!) und kurz danach. Da menschelt es zwischen den beiden Ärzte-Urgesteinen und fast schon allein wegen diesem dreizehnminütigen Nostalgietrip lohnt sich der Kauf der DVD.

Hinzu kommen ein paar kleine aber feine Beiträge, die so knifflig irgendwo in den Menüs bzw. Videos versteckt sind, dass man etwas Scharfsinn mitbringen muss, der dann aber auch entsprechend mit herrlichem Hirnschwund-Content belohnt wird. Zwar fiel das Herumalbern von BelaFarinRod nicht so grenzenlos aus wie auf dem Vorgänger „Killer“, doch ein gesundes Maß an pubertären Mätzchen lassen sich Die Ärzte wie immer nicht nehmen. Dafür lieben wir sie schließlich auch. Ein Wendecover für Hasser des neuen, überdimensionalen FSK-Logos bestätigt endgültig, dass bei „Overkiller“ an alles gedacht wurde.

Da das letzte Konzert der Tour zum Album „Jazz ist anders“ nun auch schon wieder über ein Jahr zurück liegt und Bela und Farin sich seit dem, abgesehen von vereinzelten Ärzte-Gigs, hauptsächlich auf ihre Soloprojekte konzentrier(t)en, lässt sich „Overkiller“ als ein „Bei Laune halten der Fans“ bezeichnen. Doch dafür fiel die Scheibe wirklich liebevoll und umfangreich aus. Bild- und Tonqualität lassen zwar Wünsche offen, nicht jedoch der aufwändig aufbereitete Inhalt, von dem der ein- oder andere Punkt Musikgeschichte schrieb. Fans dürfen mit ihren drei Helden lachen, staunen und genießen, während „die beste band der welt“ Neueinsteigern (gibt’s die immer noch?) umfassend wie sympathisch vorgestellt wird.

Dieser Artikel ging am um 16:10 Uhr online.
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