Soundtrack - Küss Den Frosch - Cover
Große Ansicht

Soundtrack Küss Den Frosch


  • Label: Disney/EMI
  • Laufzeit: 59 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Disneys Zeit der Zugeständnisse scheint noch nicht vorbei zu sein. Nachdem der Mauskonzern den Animationsboom anfänglich sträflich unterschätzt hat um in weiterer Folge den größten Rivalen Pixar (Toy Story, Findet Nemo, Wall-E) kurzerhand gegen eine stolze Summe ins eigene Boot zu holen, war auch die Abkehr vom handgezeichneten Film 2004 („Die Kühe sind los“ war der damals vorerst letzte Disneyfilm seiner Art) eine mehr als wackelige Entscheidung, da das traditionsreiche Unternehmen im direkten Vergleich mit der Konkurrenz immer mehr an Boden verlor. Der pünktlich zum Weihnachtsfest erscheinende Streifen „Küss den Frosch“ bricht nun mit den vorgenommenen Änderungen und biegt auch den einen oder anderen festgesetzten stereotypen Charakterzug in ein modernes Weltbild.

Das fängt bei der Rückkehr zum handgezeichneten Film an und trägt auch bei der lockeren Neuinterpretation des Romans „Die Froschkönigin“ von E.D. Baker, der vom Grimm-Märchen „Der Froschkönig“ inspiriert wurde, ganz erstaunliche Früchte. So ist Tiana, die davon träumt ein eigenes Restaurant zu eröffnen, die erste afroamerikanische Disney-Prinzessin in der über 80 jährigen Geschichte des amerikanischen Medienkonzerns und das kunterbunte Setting in den Sümpfen und Bayous (die Altarme des Mississippi) Louisianas mit ihrer musikalischen Vergangenheit aus Jazz, Swing und Gospel bereitet ein spannendes Vergnügen, das man in dieser Form noch nicht von Walt Disney kannte. Ausreichend Publicity ist dem Unternehmen in dieser Hinsicht also gewiss, doch was bedeutet das letztendlich für die Filmmusik und die wieder verstärkt in Szene gesetzten Songs?

Bei einem flüchtigen Blick auf die Besetzungsliste scheinen zumindest die richtigen Entscheidungen getroffen worden zu sein. In der deutschen Fassung darf nämlich nicht nur Cassandra Steen als Tiana ihr souliges Timbre einsetzen, auch Roger Cicero gefällt als charmanter Prinz Naveen, Bill Ramsey leiht dem Jazz-verrückten Alligator Louis (in Anlehnung an Louis Armstrong) seine Stimme, Thomas Amper glänzt nach seiner Rolle als Kronk in „Ein Königreich für ein Lama“ als Bösewicht Dr. Facilier und Marianne Rosenberg darf als Mama Odie eine herrlich abgedrehte Vorstellung geben. So sehr sich die einzelnen Stimmträger aber auch anstrengen, das musikalische Endprodukt bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Es wird zwar an vielen Ecken und Enden ein swingendes, jazzendes und Gospel trällerndes Ensemble heraufbeschworen, doch in Summe bietet das Gebotene nicht mehr als althergebrachte Versatzstücke im konventionellen Gewand der bisherigen Disney-Filme. Gerade der besinnliche Titelsong „Never knew I needed“, der von Ne-Yo geschrieben und gemeinsam mit Cassandra Steen intoniert wird, ist ausnahmslos bieder und Höhepunkte wie der mitreißende Gospel in „Du musst nur tiefer in dir graben“ oder Roger Ciceros kecke Einführung „In New Orleans“ sind rar gesät. Negativ zu Buche schlagen außerdem die zwei Stücke „Wir nehmen euch jetzt mit“ und „Ich lieb´ dich, Evangeline“, die vom romantischen Glühwürmchen Ray (Robert Missler) gesungen werden, das allerdings mit einem derart nervigen Sprachfehler gesegnet ist (Stichwort: Faultier Sid aus „Ice Age“), das Weiterschalten die einzige Devise bleibt.

Was den Score von Randy Newman („Toy Story“, „Meine Braut, ihr Vater und ich“, „Monster AG“) anbelangt, so handelt es sich ebenfalls um ein buntes Gemisch aus alten Tugenden und vereinzelten Jazz oder Swing-Einlagen, die zum Kanon des Films passen, aber schlussendlich doch immer wieder die traditionellen Themen der Disney-Filme aufgreifen („Alles wird gut“), sodass mal verspielte, mal sehnsüchtige Streicherbögen wie eh und je die Gedankenwelt der Protagonisten unterstreichen. Trotz dieser minimal abgeänderten Arbeitsweise und den zu spärlich gesetzten Farbtupfern im Disney-Kosmos ist der Soundtrack zum Film „Küss den Frosch“ wenigstens gut zum Weihnachtsfest passend: Beschwingt, besinnlich und mit etwas abgewandelter Dekoration, aber irgendwie doch dasselbe wie jedes Jahr.

Anspieltipps:

  • In New Orleans
  • Wenn ich Mensch bin
  • Die Froschjagd / Louis verletzt
  • Du musst nur tiefer in dir graben

Neue Kritiken im Genre „Pop“
7/10

Playback: The Brian Wilson Anthology
  • 2017    
Diskutiere über „Soundtrack“
comments powered by Disqus