Engineers - Three Fact Fader - Cover
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Engineers Three Fact Fader


  • Label: K Scope Records/EDEL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das zweite Album von Engineers war schon seit Ende 2006 fertig, stand aber bis Ende November 2009 im Schwebezustand, da die damalige Plattenfirma (Echo) von der Bildfläche verschwunden ist. Erst bei Kscope haben die Engländer ihr passendes Habitat gefunden und können ihre Nische ohne Zugeständnisse weiter verfeinern. Nun folgt nach langem Warten die Veröffentlichung von „Three Fact Fader“, das die Band als eine dem Pop-Rock zugewandte Formation zeigt. Das klingt nach massentauglicher Ware, ist es aber nicht. Wer die Bands von Kscope kennt, weiß das sowieso.

Es ist eine Art Shoegaze, den der Vierer-Gespann kreiert, eine verträumte Popillustration mit sehr sanftem, fast schon meditativem, Gesang und im Hintergrund agierenden Gitarrenwänden. Dieser scheinbare Gegensatz ist durch die Lautstärkeballance zugunsten der Stimme von Simon Phipps zunächst gar nicht so auffällig. Wenn aber eine Varianz dieser Pegel in Erscheinung tritt, wie in „Brighter As We Fall“, kommt die instrumentale Ebene mehr zum Vorschein und beweist ihren Shoegaze-Charakter. Leider tut sie das viel zu selten. Viele der 13 Stücke des Albums klingen auch nach mehrmaligem Konsum zum Verwechseln ähnlich.

Würde mir jemand „Three Fact Fader“ im Shuffle-Modus vorspielen, ich könnte den Unterschied zur festgelegten Reihenfolge höchstwahrscheinlich nicht feststellen. Schuld daran ist die unübersichtliche musikalische Schicht des Werks. Die Klänge der Instrumente sind nicht klar differenzierbar, sie vereinbaren sich zu oft zu einem Grundrauschen, das nur schwer zu entschlüsseln ist. Die Länge der Songs spielt hier ebenfalls eine wichtige Rolle, denn einige sind schlicht und einfach zu lang für den Inhalt, den sie zu offerieren haben. Ein Kuriosum ist das Schlagzeugspiel von Andrew Sweeney, weil es so zaghaft und teilweise auch elektronisch klingt, dass zunächst die Vermutung nahe liegt, die Band hätte gar keinen Schlagzeuger.

Die oft monotone Stimmung der Lieder wird zum Glück manchmal von einer schönen Melodie durchbrochen („Crawl From The Wreckage“) oder von elektronischen Klängen aufgelockert („Clean Coloured Wire“ und „Three Fact Fader“). Einzelne Songs schaffen es sogar ganz aus diesem Muster auszubrechen, wie das durch ein Streicher-Quartett düster eingeleitete „The Fear Has Gone“, welches nach einer Weile explodiert und relativ pompös wirkt, oder „Be What You Are“, das zugleich akustisch und elektronisch wirkt. Eine gewisse Abwechslung ist also vorhanden, nur geht sie im Großen und Ganzen unter. Sie schlummert unter der Oberfläche, ist wahrnehmbar aber nicht greifbar und da hilft selbst der noch so bunte Hirsch auf dem Cover nicht.

Der Zugang zu diesem Album ist sehr schwer und die Belohnung sind nur einige überzeugende Lieder und einige nette Passagen - das ist alles. Als Ingenieure der Musik sollten sie es schaffen intensiv und dicht zu klingen und dabei trotzdem die Klarheit und Transparenz nicht verlieren.

Anspieltipps:

  • Brighter As We Fall
  • Crawl From The Wreckage
  • The Fear Has Gone
  • Be What You Are

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