Get Well Soon - Vexations - Cover
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Get Well Soon Vexations


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist weiterhin unheimlich beeindruckend, was Get Well Soon hier quasi im Alleingang auf CD bannt.

Der, als deutsches Pendant zu Conor Oberst, gefeierte Konstatin Gropper alias Get Well Soon bringt mit „Vexations“ zwei Jahre nach Veröffentlichung seines überraschenden Debüts „Rest Now Weary Head, You Will Get Well Soon“ sein zweites Album auf den Markt. Der Oberschwabe mit dem Hang zu opulenten Arrangements und einer außerordentlich vielfältigen Instrumentierung konzipierte das neue Album innerhalb weniger Wochen: „So war die Arbeit grundverschieden von dem ersten Album: Kompakter, konzentrierter, runder. 80 Prozent der Stücke sind in einem Nettozeitraum von zwei Wochen entstanden (zumindest ihr maßgebliches Gerüst)“. Inhaltlich erklärt er es zu einem Konzeptwerk über Stoiker bzw. den Stoizismus.

Bereits „Seneca's Silence” holt mit dramatisch erklingenden Streichern zur großen Geste aus, auf den Bläsern von „5 Steps / 7 Swords” scheint der ganze Schmerz der Welt zu lasten, so schwermütig schallen sie dem Hörer entgegen. In jedem Song bringt Gropper eine Vielzahl an verschiedenen Instrumenten unter, ohne dabei zu dick aufzutragen, sondern findet immer den richtigen Ton. Wir hören insgesamt unter anderem: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier, Violine, Cello, Trompete, Tuba, Trombone, Flügelhorn, Xylophon und Vibraphon. Auch ungewohnt reduzierte Lieder finden Platz auf dem Album, wie „Red Nose Day” oder „That Love”, die jedoch nie ganz an das Niveau der opulenteren Stücke anschließen können. „A Burial At Sea” dagegen erweist sich mit maritimen Flair, Seemannsgesang und Strandkulisse als großes Hightlight, „Angry Young Man” ist mit dem treibenden Schlagzeug und der noch einprägsamsten Melodie als erste Single gut gewählt.

Insbesondere die Produktion hat dabei im Gegensatz zum Erstling einen großen Schritt nach vorne gemacht: Häufig drohten die Stücke bei der Menge an Instrumenten in einem großen Brei unterzugehen, außerdem haftete den Songs manchmal ein etwas dumpfer Klang an. Dieser Makel ist auf „Vexations” vollkommen ausgemerzt, was besonders bei „We Are Ghosts” auffällt, wenn ein Chor zusätzlich die übrigen Instrumente befeuert. Konstantin Gropper präsentiert seinen tiefen Gesang hier zudem auf einem ausdruckstärkerem Level.

Dennoch wird man beim Hören des Zweitwerks das Gefühl nicht los, dass Gropper mit einigen Songs noch ein bisschen mehr Zeit im Studio hätte verbringen können. Nicht dass einer der Songs im Speziellen aus dem Rahmen fällt oder sich eine Hälfte des Albums als schwächer erweist wie die andere. Es ist eher so, dass die Songs vom Debüt noch ein bisschen perfekter und schlicht besser ausgearbeitet waren. Einen dermaßen intensiven und berührenden Song wie „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me” sucht man auf „Vexations” jedenfalls vergebens. Dass dieses Album dennoch sehr stark ist, zeigt nur, wie talentiert dieser Konstantin Gropper tatsächlich ist. Sein großes Meisterwerk hat er jedoch mit „Vexations” nicht abgeliefert. Es ist aber weiterhin unheimlich beeindruckend, was Get Well Soon hier quasi im Alleingang auf CD bannt.

Anspieltipps:

  • Seneca's Silence
  • 5 Steps / 7 Swords
  • We Are Ghosts
  • A Burial At Sea
  • Angry Young Man

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