Los Campesinos! - Romance Is Boring - Cover
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Los Campesinos! Romance Is Boring


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nun erscheint schon das dritte Album der walisischen Band Los Campesinos, obwohl die Gruppe erst seit 2006 existiert. Dabei verblüfften die Musiker mit atemberaubendem Tempo, Instrumentenpotpourri und fröhlichen Melodien inklusive zeitweise schrägem Kollektivgesang. Sänger Gareth duellierte sich meist stimmlich mit Sängerin Aleks und die Musik von Los Campesinos verbreitete einfach gute Laune. Bei der dritten CD, wieder produziert von John Goodmanson (Sepultura, Death Cab For Cutie), schwenkt die Stimmung doch zu etwas düsteren Tönen um, aber mit gewohnt witzigen Texten und erhöhtem Gesangsanteil von Gareth, der auch die meisten Songs komponierte, bleiben dankenswerter Weise die locker leichten Tracks erhalten, die mit unerwarteten Instrumenteneinsätzen und positivem Vibe glänzen. Doch klingen die Songs durchaus ausgereifter und weniger zappelig als sonst, aber sie geraten trotzdem nicht in den Verdacht zu seicht zu werden, dafür gibt es noch genug verwirrende musikalische Momente.

Zu den herausragenden dunklen Tracks gehören „The Sea Is A Good Place To Think Of The Future“ und „Coda: A Burn Scar In the Shape Of The Sooner State“, die so ganz anders sind als ihre Vorgänger: Düster, mit Geigen versehen und recht bombastisch angelegt werden nicht nur dem Keyboard derart dunkle Töne entlockt, da hört sich der Spaß direkt auf und man stellt fest, dass Los Campesinos auch sehr ernsthafte Kompositionen schreiben können, die emotional berühren. Die locker flockige Spaß-Fraktion stellen dagegen „A Heat Rash In The Shape Of The Show Me State“ oder „There Are Listed Buildings“, die mittels treibenden Drums die übliche Campesinos-Schiene fahren: Einfach drauflosrocken und den Gesang mit Inbrunst performen, aber bewusst nicht technisch sauber.

Solange es Tracks wie „ I Just Sighed. I Just Sighed, Just So You Know“ gibt, die mit einem völlig seltsamen lauten Klangbrei beginnen und dann wieder rocken bis der Arzt kommt, sind die überraschenden Momente bei der Band immer noch in der Überzahl. Nicht zu vergessen, dass Sänger Gareth seinem Glockenspiel treu bleibt, aber das ist zeitweise aufgrund der Instrumentengewitter manchmal kaum zu identifizieren. Es ist sicher auch anstrengend, den Campesinos zu lauschen, aber trotzdem gefällt ihre unkonventionelle Art zu komponieren ohne die üblichen langweiligen Songregeln zu beachten nach ihrem offensichtlichen Motto „Je mehr Instrumente desto besser“. Das Konzept scheint auf jeden Fall zu sein, keine Single-Hits zu schaffen, sondern eine CD mit dunklen und fröhlichen Songs, die positiv auffallen und bewundernswert natürlich produziert wurden.

Nach der Fertigstellung des Albums verließ Sängerin Aleks die Band, mit Gareths Schwester Kim wurde aber gleich Ersatz gefunden, so dass die wilde musikalische Fahrt der Waliser seine Fortsetzung finden wird.

Anspieltipps:

  • In Medias Res
  • A Heat Rash In The Shape Of The Show Me State
  • The Sea Is A Good Place To Think Of The Future

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