Gerry Rafferty - Life Goes On - Cover
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Gerry Rafferty Life Goes On


  • Label: Hypertension/SOULFOOD
  • Laufzeit: 78 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist bald wieder Weihnachten. Zwar zeigt der Kalender noch nicht mal den letzten Monat des Jahres an, aber nicht nur die Backindustrie weiß, dass der früher Vogel den Wurm fängt. Wer glaubt, mit „Life Goes On“ ein neues Rafferty-Album in den Händen zu halten, der ist nicht mal ansatzweise gut informiert. Der Schöpfer der „Baker Street“, die wohl noch auf ewig in des Radiohörers Ohren bleiben wird, hat gerade mal sechs „neue“ Stücke auf diesem Silberling gestreut und wirklich neu ist das Programm auf den zweiten Blick (spätestens!) dann auch nicht. Willkommen zu einer weiteren Folge von: Best of „Best Of“!

Aber Moment! Auf einem richtigen Best Of müsste doch eigentlich eben dieser Track, dieses geniale Saxophon aus Baker Street sein. Ist es aber nicht! Warum? Richtig! Best Of Alben hat doch nun wirklich jeder und so ist es seit geraumer Zeit “in”, verschollenes Material bekannter Musiker auszukramen, um sie den Sammlern preiszugeben. Genau darin besteht der Sinn von „Life Goes On“, auch wenn über den Sinn des Titels gerätselt werden darf. Es muss doch einen Grund geben, warum Raffertys letzte beide Alben nicht mehr erhältlich sind und das ist normalerweise fehlender Erfolg. Hört man sich einmal durch die Playlist, erfährt man eines: Mehr als guten Pop, der allerdings seine besten Jahre hinter sich hat. So ist ein „Don’t Speak Of My Heart“ eine wunderbar arrangierte Ballade, die allerdings jeglicher Modernität entbehrt. Viele Synthesizer und keine Spur von Mut zu Neuem. „Baker Street“ lässt grüßen und nur das Saxophon wird vermisst. Dafür gibt es hier Streicher.

Wer den typischen Gerry Rafferty mag, der wird mit viel Material (die achtzig Minuten des Rohlings werden beinahe ausgeschöpft) belohnt, welches er vielleicht auch noch gar nicht kennt. Das ist sowieso der Kaufpunkt überhaupt. Wer die gesamte Diskographie des sympathischen Sängers bereits sein Eigen nennt, wird einen Teufel tun und sich eine CD kaufen, auf welcher er lediglich eine (zugegebenermaßen gute) Beatlesinterpretation („Because“) bestaunen darf, sowie drei reine Kirchensongs (der dezente Hinweis auf das Weihnachtsgeschäft), wovon einer mehr als fragwürdig ist. Der Opener ist zwar beruhigend, allerdings in keiner Weise originell und mit vier Minuten „Kyrie Eleison“ am Stück ist es dann auch gut.

Teilweise sind die Lieder schon über 15 Jahre alt und es stellt sich die ernsthafte Frage, warum dieses Album ausgerechnet jetzt herauskommt. Irgendwann musste wohl irgendein PR-Genie auf diese Idee kommen. Allerdings geht das Projekt mehr oder weniger nach hinten los, denn das Album schafft es weder, neue Raffertyfans zu scharen (zumindest gäbe es fraglos bessere Compilations für diesen Zweck), noch Fans hinter dem Ofen hervorzulocken. Nichtsdestotrotz ist Gerry Rafferty nicht zu Unrecht einer der größeren Namen der Neunziger und seine Lieder sind allesamt hochwertig und Trash oder B-Seiten werden vergebens gesucht. Für die Ansprüche dieses Musikers ist so ein künstlerisch fragwürdiges Output allerdings weit unter dem erreichbaren Niveau.

Anspieltipps:

  • Time’s Caught Up On You
  • Your Heart’s Desire
  • Because

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