Pandora - Melancholic Freedom - Cover
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Pandora Melancholic Freedom


  • Label: Xochipilli/Radar Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Pandora „Melancholic Freedom” – was ist das denn? Etwa wieder so eine Indie-Veröffentlichung, die jede Menge Überwindung kostet, überhaupt in die Hand genommen zu werden, weil der CD-Player vor Schreck von ganz allein in Deckung geht? Mal ehrlich, allein aufgrund der abstoßenden Covergestaltung wird der eine oder andere im Laden einen großen Bogen um das Album machen. Denn wer klebt sich schon Isolierband über die Augen, außer Marilyn Manson, debile Gothic-Rock-Combos und andere Bekloppte? Eben!

Doch Obacht! Bei Pandora ticken die Uhren anders. Das aus dem belgischen Eupen, das nur einen Katzensprung von der deutschen Großstadt Aachen entfernt ist, wo das vorliegende Album im Sucellos Audio Studio aufgenommen und von Studiobesitzer Tom Bräutigam produziert wurde, stammende Trio, das aus den Twentysomethings Annie (Gesang, Gitarre), Michéle (Bass) und Roman (Drums) besteht, hat nichts mit oben erwähnten Sonderlingen zu tun, obwohl auch die Drei sonderbare Musik machen.

Sonderbar deshalb, weil Pandora ca. 15 Jahre nach dem der Grunge beerdigt wurde, ein reinrassiges Grunge-Album abliefern, das sich gewaschen hat. Die Belgier bieten darauf nicht etwa weichgespülten Radio-Grunge bzw. Alternative Rock feil, der dem Hype Mitte der 90er Jahre den Todesstoß verpasste, sondern derben Rock’n’Roll mit Noise- und Punkrockwurzeln, so wie es die erste Generation der Grunge-Bands auch getan hat. Dabei fällt vor allem die unheimlich aggressiv und angepisst agierende Sängerin Annie auf, die sich wie Courtney Love in ihren besten Tagen auskotzt. Lang, lang ist’s her...

„Melancholic Freedom” ist bollernder und doch melodischer Grunge der „Bleach“- und „In Utero“-Phase, um im Nirvana-Amtsdeutsch zu sprechen, und kein charttaugliches Material á la „Nevermind“. Doch warum der Vergleich ausgerechnet mit den Königen des Grunge? Ist das nicht zu hoch gegriffen? Grundsätzlich wohl schon, aber Pandora bedienen sich so auffällig und explizit am Nirvana-Sound, dass gar keine andere Wahl besteht. Und das schadet auch nicht! Denn seit Ewigkeiten klang kein (Debüt-)Album so sehr nach der Ursuppe dieser Stilart wie„Melancholic Freedom”.

Wer einmal erlebt hat, wie cool eine verstimmte Gitarre klingen kann, wird sich in die 14 Tracks des Albums sofort verlieben. Ungezügelte Härte, treibender Punkrock, bitter-süß rausgerotzte (Halb-)Balladen und eine für Indie-Verhältnisse durchaus druckvolle Produktion sorgen für ein Déjà-vu-Erlebnis der positiven Sorte. Grunge-Liebhaber müssen hier definitiv zugreifen und können „Melancholic Freedom” direkt neben Hole, L7, Nirvana und Co. im Regal einsortieren.

Anspieltipps:

  • Bored
  • Breed my dye
  • Sophisticated attitude
  • Bohemian dust cakes
  • Like a pissed flower in spring

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