Michelle Branch - Everything Comes And Goes - Cover
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Michelle Branch Everything Comes And Goes


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 21 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist der Albtraum eines jeden Musikers, der bei einer Plattenfirma unter Vertrag steht: Man legt der Firma ein neues Album zur Veröffentlichung vor, doch diese kann damit nichts anfangen und legt es seelenruhig auf Eis bzw. lässt den Künstler im Studio auf unbestimmte Zeit an den Songs weiterdoktern. Solche bittere Erfahrungen sind im Music Biz leider an der Tagesordnung. Und sie treffen wahrlich nicht nur Newcomer.

Nach dem in Eigenregie vertriebenen Debütalbum „Broken Bracelet“ (2000) begann Michelle Branch ihre tatsächliche Karriere beim Branchenriesen Warner Bros. und wurde dort als kommender Popstar aufgebaut. Ihre Alben „The Spirit Room” (08/2001) und „Hotel Paper” (06/2003) sowie ein gutes halbes Dutzend Singleauskopplungen waren kommerziell erfolgreich und wurden mit einer Grammy-Nominierung belohnt. Doch dann begab sich Branch auf leichte Abwege. Sie formierte im Jahr 2005 zusammen mit ihrer Freundin Jessica Harp die Country-Pop-Band The Wreckers, die mit dem Album „Stand Still, Look Pretty” (05/2006) bei mehr als einer Million verkaufter CDs mehr als einen Achtungserfolg hinlegte.

Mit den Wreckers war relativ schnell wieder Schluss. Harp und Branch wollten ihre Solokarrieren wieder vorantreiben und schrieben beide an neuen Alben, die im Laufe des Jahres 2009 erscheinen sollten. Aber hier spielte Warner Bros. nicht mit. Nachdem die Vorabsingles von Jessica Harp in den Augen der Plattenfirma als gefloppt galten, wurde das dazugehörige Album „A Women Needs“ (03/2010) lediglich digital sowie bei großen Online-Händlern als „Manufactured on demand“-CD veröffentlicht. Enttäuscht davon verkündete Jessica Harp ihren Rückzug aus dem aktiven Musikgeschäft, wobei sie weiterhin als Songwriterin arbeiten möchte.

Ähnliches widerfährt zurzeit auch Michelle Branch. Ihr drittes Album für Warner Bros. „Everything Comes And Goes“ ist im Prinzip seit zwei Jahren fertig. Es wurden Videos gedreht, ein Coverbild vorgestellt und eine Trackliste veröffentlicht. Einzig und allein die Album-Veröffentlichung ließ auf sich warten. Und man muss kein Prophet sein, um die Schuldigen bei der Plattenfirma zu suchen, die urplötzlich im August 2010 mit „Getaway“ eine Michelle-Branch-Single aus dem Hut zog, die von keinem geringeren als Timbaland produziert wurde. Damit scheint klar zu sein, wohin das Label mit seinem ehemaligen Teen-Popstar will. Ferner ist klar, dass „Everything Comes And Goes“ nie in seiner ursprünglich angedachten Form erscheinen wird.

Wenigstens konnte Michelle Branch (27), die inzwischen auf mehr als 20 fertigen neuen Tracks sitzt, einen Kompromiss erreichen. „Everything Comes And Goes“ erscheint als 6-Track-EP ohne großes Werbe-Brimborium als kleine Aufmerksamkeit für die seit Ewigkeiten wartenden Fans. Damit kann Branch das Kapitel endlich abschließen und sich dem widmen, was Warner Bros. sich für die 27-Jährige musikalisch vorstellt. Und das scheint nicht der Country-Pop zu sein, der auf „Everything Comes And Goes“ zu hören ist und als logische Fortsetzung des Wreckers-Sounds zu bezeichnen ist. Sprich: Wir hören typische Country-Music-Zutaten wie Dobro, Banjo, Steel Guitar und Mandoline, aber auch eingängige Popmelodien, die Michelle Branch u.a. zusammen mit John Shanks (Bon Jovi, Take That, Celine Dion, Sheryl Crow) geschrieben hat.

Das mag vielleicht im europäischen Raum nicht für höchste Chart-Positionen reichen, ist aber eine äußerst charmante Musikform, die Michelle Branch aus dem Herzen spricht und demzufolge angenehm authentisch daherkommt. Zudem muss niemand in Anbetracht von Songs wie „Sooner or later“, „Crazy ride“ oder „Summertime“ wegen mangelnder Eingängigkeit bange sein. Bei Taylor Swift wären dies allesamt Singlehits. Also bitte so weitermachen! Und wir hoffen, dass sich Michelle Branch auf Druck ihrer Plattenfirma nicht mit einem vollkommen überflüssigem Dancefloor-Album als Lady Gaga für Arme zurückmeldet.

Anspieltipps:

  • Crazy ride
  • I want tears
  • Sooner or later

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