Anthrax - Worship Music - Cover
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Anthrax Worship Music


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein grandioses Vergnügen des Big-Four-Sorgenkinds.

Mit „Sound Of White Noise“ (05/1993) begann für die Thrash-Stiefkinder Anthrax eine neue Ära. Joey Belladonna wurde gefeuert und der ehemalige bzw. mittlerweile wieder bei Armored Saint eingestiegene Sänger John Bush übernahm, sehr zur Freude der Fans, das Szepter. Durch sein professionelles Auftreten und der wuchtigen, stimmlichen Präsenz schien der kleinste Nenner der Big Four des Thrash Metal (Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax) endlich ein Lineup gefunden zu haben, mit dem es sich unbekümmert bis in das nächste Jahrtausend hinein überleben ließ. Elektra, Anthrax zu dieser Zeit aktuelles Label, hielt jedoch nicht besonders viel davon und kümmerte sich kaum um den Nachfolger „Stomp 442“ (10/1995), was eine Vertragsauflösung zur Folge hatte. Mit Ignition Records als neuen Partner sollte mit „Volume 8: The Threat Is Real“ (07/1998) anstatt juristischen Geplänkels wieder die Musik im Vordergrund stehen, doch Ignition ging Bankrott und wäre das nicht schon genug, bereiteten die Anthrax-Anschläge in 2001 der Band aufgrund der Namensgleichheit zusätzliche Sorgen.

Im Mai 2003 knallten die Thrasher mit „We´ve Come For You All“ ein gnadenloses Comeback hin und präsentierten sich stolz als Mitglied der großen Nuclear Blast-Familie. Dummerweise konnten diese vielversprechenden Aussichten John Bush nicht halten und er verließ kurz darauf Anthrax. Für ein paar Konzerte konnte in weiterer Folge zwar das „Spreading The Disease“-Lineup (10/1985) mit Joey Belladonna am Mikro reanimiert werden, dieser Zustand war jedoch nicht von langer Dauer, sodass Anthrax bald mit neuen Songs im Gepäck auf der Suche nach einem neuen Sänger waren. Dieser hörte auf den Namen Dan Nelson (Ex-Black Gates) und wurde 2007 offiziell den Fans vorgestellt. Ein Jahr später begab man sich ins Studio. 2009 war es allerdings soweit und auch Nelson musste sich von Anthrax verabschieden, indem er, unter dem Vorwand er wäre krank, aus der Band gefeuert wurde. John Bush kehrte trotz anfänglicher Bedenken in den Schoß der Thrash Metal-Truppe zurück, blieb aber nur für ein paar Konzerte und machte Platz für den erneut eingewechselten Joey Belladonna, mit dem „Worship Music“, Anthrax zehntes Studioalbum, endlich fertig gestellt wurde.

Dass die Platte nach dieser scheinbar nicht enden wollenden Odyssee von skurrilen Besetzungswechseln und unglücklichen Vertragspartnern überhaupt erscheint, ist schon ein kleines Wunder. Eine noch viel größere Überraschung ist zudem die Tatsache, dass „Worhsip Music“ weder zerfahren, noch schnell zusammengeschustert klingt, sondern wie aus einem Guß ist und somit ein klares Statement für die Zukunft der Band abgibt. Belladonna, Scott Ian (Gitarre), Rob Caggiano (Gitarre), Frank Bello (Bass) und Charlie Benante (Schlagzeug) nehmen ihre Position als eine der ersten Bands der New Wave Of American Heavy Metal äußerst ernst und bieten neben kurzen Thrashflegeln („Earth on hell“), die auch mal Hardcore-Anleihen nehmen („The giant“) kurzweiligen Metalsongs mit packenden Melodien („The devil you know“, „I´m alive“, „The constant“) und drückenden Riffbrocken in mittlerer Geschwindigkeit („In the end“, „Judas Priest“) eine abwechslungsreiche Achterbahnfahrt durch den Thrash Metal, bei der die klassischen Heavy Metal-Elemente nie zu kurz kommen und selbst die eine oder andere unvorhergesehene Falltür eingebaut wurde.

Besonders hervorstechend ist die aggressive Rifforgie „Revolution screams“, bei der den Instrumenten absolut keine Verschnaufpause gegönnt wird, das schon fast in Grunge/Sludge-Sphären à la Crowbar oder Down ausbrechende „Crawl“ oder der eigentlich gnadenlose Brecher „Fight ´em til you can´t“, der eine Minute kürzer eine unbarmherzige Mosh-Granate hätte werden können. Mit „Worship“, „Hymn 1“ und „Hymn 2“ mischen sich noch drei kurze Intros bzw. Zwischenspiele ins Geschehen, die jedoch nie als lästige oder unnötige Filmsoundtracks daher kommen, sondern einen mininmalistisch gehaltenen, roten Teppich für den jeweils folgenden Track ausrollen, wodurch der Hörer stets bei Laune gehalten wird. „Worship Music“ mag vielleicht nicht die nächste Evolutionsstufe des Thrash Metal oder generell des Heavy Metal sein, ein grandioses Vergnügen ist der neueste Streich des Big-Four-Sorgenkinds aber allemal. Wenn jetzt nur noch die ewigen Besetzungswechsel ein Ende hätten, könnte man wohl bald von einer Rückkehr zu alter Größe sprechen. Das Potential war bei Anthrax schließlich schon immer vorhanden.

Anspieltipps:

  • Crawl
  • I´m Alive
  • In The End
  • Judas Priest
  • Revolution Screams

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